Man erhob sich endlich und kehrte in den kleinen durch eine einfache
Lampe erleuchteten Salon zurück.
Herr Vergier empfahl sich bald unter dem Vorwande dringender Geschäfte, die er noch zu erledigen habe und Herr Challier zog sich zurück, um seiner Gewohnheit gemäß einen Augenblick "nachzudenken", wie er sagte, das heißt in dem Lehnstuhl seines Cabinets einen kleinen Schlaf zu machen.
Als die jungen Leute allein geblieben waren, zog Cappei ein kleines
Tabouret neben den Lehnstuhl vor den Camin, auf welchem das junge
Mädchen sich wieder niedergelassen hatte, setzte sich an ihre Seite und
ergriff zärtlich ihre Hand, die sie ihm reichte.
"Meine süße Luise," sagte er mit jenem fremden Accent, den die französische Sprache im Munde eines Deutschen immer annimmt, "ich fürchte, daß der Augenblick herannaht, in welchem wir uns auf eine vielleicht lange Zeit trennen müssen und ich bedarf der festen Zuversicht und des unerschütterlichen Vertrauens, daß Deine Liebe mir für alle Wechselfälle des Schicksals gesichert bleibt."
"Kannst Du daran zweifeln?" erwiderte Luise, indem sie sanft mit der Hand über sein Haar strich und ihn mit einem leuchtenden Blick ansah, "ich habe Muth und Festigkeit—ich stamme," fügte sie lächelnd hinzu, "von jenen alten Bragards von Saint-Dizier und wie jene die Sache ihres Königs und ihres Landes auf den Schlachtfeldern vertheidigten, so werde ich wenigstens ohne Zagen und Schwanken für meine Liebe einzustehen wissen. Der Kampf dafür," fuhr sie, ihn immer mit entzückten Blicken betrachtend fort, "wird übrigens nicht so schwer sein. Mein Vater ist Dir persönlich geneigt und hat eine tiefe Sympathie für die Sache Deines so ritterlichen unglücklichen Königs.—Er liebt mich und ich sehe nicht ein, was er unserer Verbindung entgegenstellen sollte—"
"Dein Vater," sagte Cappei ernst, "ist aber ein Mann des sichern, ruhigen Geschäftslebens und er wird und muß für die Zukunft seiner Tochter Garantieen verlangen, die ich in diesem Augenblick nicht zu geben im Stande bin—ich bin ein heimathloser Flüchtling—"
"Du hast Deine Heimath an meinem Herzen gefunden," rief Luise lebhaft, "genügt Dir diese Heimath nicht?"—
Er küßte zärtlich ihre Hand und sagte mit innigem Ton:
"Das ist für mein Herz die schönste, die ich finden kann, die einzige, die ich suche, aber wir bedürfen auch des festen Bodens im wirklichen Leben und dieser fehlt mir in diesem Augenblick vielleicht mehr als je—"
"Doch," unterbrach sie ihn, "warum sprachst Du davon, daß wir uns trennen sollen? Glaubst Du," fuhr sie fort, "daß der Augenblick naht, in welchem Du für Deinen König zu Felde ziehen mußt?—Glaube mir, die Trennung wird mir tiefen Schmerz bereiten, aber ich werde Dich mit Stolz hinziehen sehen und meine Gebete werden Dich im Kampfe begleiten und Gott und die heilige Jungfrau, die ich stündlich anrufen werde, werden Dich mir erhalten—Deine Sache wird siegen und dann—dann wird unserm Glück Nichts mehr im Wege stehen."