"Nun aber," sagte er nach einem augenblicklichen Schweigen, indem er abermals zum Grafen Platen hinüberblickte, "hat uns vor vier Wochen der Herr Major von Adelebsen und der Herr von Münchhausen, welche die Standquartiere der Emigranten bereisten, mitgetheilt, daß Eure Majestät die Colonie in Algerien nicht wollten, daß Sie vielmehr die Legionaire entlassen würden und Jeden auffordern ließen, zu erklären, wohin er zu gehen beabsichtigte. Die Herren Officiere," sagte er dann, "haben uns nun zwar bestätigt, daß von Eurer Majestät eine Colonie in Algerien nicht mehr gegründet werden würde. Dennoch aber haben sie uns aufgefordert, zusammen zu bleiben und einen Verband zu bilden und uns gegenseitig zu unterstützen, wollen auch versuchen, ob es nicht möglich sei, ohne Betheiligung Eurer Majestät von der französischen Regierung die Herstellung einer Colonie zu erreichen, auf welcher wir eine gemeinschaftliche Existenz uns beschaffen könnten. Es ist darüber viel hin- und hergesprochen, einzelne von den jungen Leuten wollen gern ihr Glück in Algerien versuchen. Wir aber, die älteren und namentlich die Unterofficiere würden uns einem solchen Unternehmen nur anschließen wollen, wenn wir bestimmt wüßten, daß wir darin dem Willen Eurer Majestät gemäß handelten. Und deßwegen bin ich hierher gekommen, um womöglich Eure Majestät zu fragen, was wir thun sollen."

"Der Unterofficier Stürmann, Majestät," fiel Graf Platen ein, "und seine Kameraden möchten es besonders Allerhöchstdenselben zur Beherzigung empfehlen, daß sie durch langjährige Dienstzeit eine Pensionsberechtigung erworben haben, welche sie durch ihre Auswanderung aus Hannover der preußischen Regierung gegenüber verwirkten, sie glauben deßhalb, daß Eure Majestät Gerechtigkeit anerkennen werden, wie sie in andern Verhältnissen sich befinden, als die jüngern in der Emigration befindlichen Soldaten."

"Ich glaube," sagte der Kronprinz, "daß Du das gewiß anerkennen wirst, Papa, und daß die Unterofficiere jedenfalls anders gestellt werden müssen, als die große Masse der Emigranten."

"Gewiß," rief der König lebhaft, "diejenigen gedienten Soldaten, welche eine Pensionsberechtigung erworben haben, sollen keinen Schaden leiden. Meine Kasse," sagte er mit etwas leiser Stimme, das Gesicht mit fragendem Ausdruck auf den Grafen Platen hinwendend, "wird diese Verpflichtung erfüllen können?"

"Ganz gewiß, Majestät," erwiderte der Minister.

"Dann," sagte der Feldwebel Stürmann, "kann ich Eurer Majestät versichern, daß alle meine alten Kameraden höchst zufrieden und Eurer Majestät besonders dankbar sein werden. Ich werde sehr glücklich sein, ihnen das gnädige Versprechen Eurer Majestät mittheilen zu können, und wir werden unser Möglichstes thun, um die jüngern Soldaten von abenteuerlichen Unternehmungen abzuhalten."

"Am besten wäre es," sagte der Kronprinz ein wenig zögernd, "wenn sie nach Amerika auswanderten. Dort können sie ja doch noch am ersten ein Unterkommen finden."

"Zu Befehl, Königliche Hoheit," sagte der Feldwebel.

"Dann wären sie aber für mich für immer verloren," sprach der König halb leise zu sich. "Nein, nein," rief er dann laut, "man soll keinen Einfluß in dieser Beziehung auf ihre Entschließungen üben. Doch," fuhr er abbrechend fort, indem er sich an den Feldwebel wandte, "haben denn die Leute eine so große Neigung gehabt, nach Algerien zu gehen, daß meine Officiere so sehr auf diesen Plan bestehen? Sie wissen vielleicht, daß im Lande Hannover die ganze Bevölkerung eine große Abneigung gegen dieses Project hat und befürchtet, die Leute könnten dort zu Grunde gehen?"

Der Feldwebel blickte fragend auf den Kronprinzen und Graf Platen; dann sprach er: