"Und welche Haltung wollen Sie diesem Plebiscit gegenüber einnehmen, welches Ollivier bereits acceptirt hat?"

"Ich habe erst flüchtig darüber mit den mir gleich gesinnten Collegen sprechen können," erwiderte Graf Daru, "es ist eine schwierige Situation, die man uns da geschaffen. Das Plebiscit hat eine große Popularität bei den Massen, und sich demselben widersetzen, würde uns fast als die Vertreter reactionairer Grundsätze vor den Augen der öffentlichen Meinung hinstellen! Doch müssen wir nach meiner Ueberzeugung auf der andern Seite auch einer fortwährenden Appellation von den gewählten Repräsentanten an das Volk selbst ernstlich entgegentreten."

"So machen Sie doch," sagte Herr Thiers, "die Bedingung, daß das Plebiscit nur von der Regierung in Gemeinschaft mit dem Senat und dem Gesetzgeben-Körper ausgeschrieben werden dürfe. Dann hat die Sache doch wenigstens einen gewissen Sinn und stellt die Kammern nicht als Nullen zwischen den Kaiser und die Volksmasse."

"Das ist eine vortreffliche Idee!" rief Graf Daru, und, indem er den Arm des Herrn Thiers nahm, zog er sich mit diesem in eine Ecke des Salons zurück und vertiefte sich mit ihm in ein langes und eifriges Gespräch.

Die Unterhaltungen der übrigen Gruppen waren ebenfalls eifriger und lebhafter geworden. Man besprach die Idee des Plebiscits von allen Seiten, und im Ganzen fand dasselbe bei allen hier Anwesenden nur Mißbilligung.—Sie Alle waren Vertreter der constitutionellen Doctrin und fühlten sehr wohl, daß derselben vollständig die Spitze abgebrochen würde, wenn die Regierung der Kammermajorität gegenüber fortwährend die Waffe der Appellation an das allgemeine Volksstimmrecht in der Hand behielt.

Nach einiger Zeit hatte Herr Thiers sein Gespräch mit dem Grafen Daru beendigt,—er näherte sich seiner Gemahlin,—diese gab Fräulein Dosne einen Wink.

Beide Damen standen auf und legten ihre Arbeit zusammen. Dies war das Zeichen für die Gesellschaft, daß der Empfang beendet und daß für Herrn Thiers, welcher seine Gesundheit und Rüstigkeit durch eine ungemein strenge Zeiteinteilung so vortrefflich zu conserviren verstanden, nunmehr die Stunde gekommen sei, zu welcher er gewohnt war, sich zurückzuziehen, um nach einem kurzen Ueberblick über die Arbeit und die Ereignisse des Tages den Schlaf zu suchen, welcher ihm bis in sein hohes Alter hinein ein treuer Freund geblieben war.

Die Gesellschaft empfahl sich und bald erlöschten die Lichter in dem kleinen Hotel an der Place de St. George.

Ende des ersten Bandes.