Varlin sagte nichts. Er saß tief nachdenkend da, doch zeigte der
Ausdruck seines Gesichts, daß er den Plan Raouls billige und über dessen
Ausführung nachsann.
„Natürlich kann die Sache reussiren,“ sagte Raoul Rigault, „und sie muß reussiren, wenn sie nicht überaus dumm angegriffen wird, und daß dies nicht geschieht, dafür müßt Ihr sorgen. Ich habe nicht Lust,“ fügte er im affectirt hochmüthigen Ton hinzu, „mich um diese petites besognes zu kümmern. Ich habe Euch die Instrumente geschafft, ich habe Euch einen Menschen gestellt, welcher den ersten Schlag führen wird, an Euch ist es, die Stunde fest zu stellen und Eure alten Weiber und Kinder an die richtigen Orte zu führen, um aus diesen alten dumpfen Bureaus und Aktenhaufen ein lustiges, fröhliches Feuer aussteigen zu lassen. In drei Tagen könnt Ihr damit fertig sein. Jetzt laßt uns gehen, es könnte im Hause Aufsehen erregen, wenn wir noch länger hier bleiben.“
Er stand auf, grüßte mit einer stutzerhaften Bewegung mit der Hand und ging hinaus.
„Er hat uns in der That überflügelt,“ sagte Lermina, ihm finster nachblickend, — „ich liebe ihn nicht, diese ganze geckenhafte Art wichtige Dinge zu behandeln, mißfällt mir. Aber seine Ideen sind gut und seine Vorbereitungen vortrefflich. Wenn Ihr einverstanden seid, soll der Plan ausgeführt werden, er kann uns Jahre langer Agitationen überheben und mit einem Schlage an das Ziel unserer Wünsche führen, — und selbst, wenn der Plan mißlingen sollte, was ist dabei verloren — ein zerschmetterter Kaiser, einige ausgebrannte Steinhaufen, — weiter nichts,“ fügte er mit einem entsetzlichen Lächeln hinzu, welches seine steinernen und unbeweglichen Züge in furchtbarer Weise verzerrte.
„Der Plan wird gelingen,“ rief Ulric de Fonvielle lebhaft, „die ganze Kraft der Regierung ist zertrümmert, sobald der Mittelpunkt zerstört ist, Frankreich und die Zukunft gehört uns.“
Varlin stand auf.
„Der Plan kann gelingen,“ sagte er, „wenn Niemand außer uns etwas davon erfährt, keines der Werkzeuge, die wir benutzen werden, darf den ganzen Zusammenhang dessen, was geschehen soll, auch nur ahnen.“
Er streckte seine Hand aus.
„Schwören wir uns gegenseitig,“ sagte er, „bei unserm Hasse gegen die Ausbeuter der Arbeit Verschwiegenheit und Tod dem, der den Schwur bricht.“
Lermina und Fonvielle legten ihre Hände in diejenige Varlins.