„Verzeihe mir, mein Vater,“ sagte er mit erstickter Stimme, „verzeihe mir, ich habe Unrecht gehabt, aber ich habe es auch hart gebüßt.“
Der alte Herr schüttelte verwundert den Kopf.
„Nun, nun,“ sagte er, „Jeder macht einmal einen dummen Streich, nimm
Dich künftig mehr in Acht und thu so Etwas nicht wieder.“
„Da ist Etwas nicht klar, die Sache ist nicht in Ordnung,“ sprach er dann leise vor sich hin, indem er von einem Seitentisch eine frisch gestopfte Pfeife nahm und dieselbe anzündete. „Ich fürchte, ich bin in Gefahr gewesen, Etwas zu erleben, was ich neulich bei meinem Freunde Rantow so scharf getadelt habe. Vielleicht muß ich Gott danken, daß die Sache so gekommen ist.“
Er setzte sich an den Frühstückstisch und schenkte den duftenden Kaffee aus der spiegelblank geputzten messingenen Sturzmaschine in seine große Mundtasse.
Sechstes Capitel.
In der Zwischenzeit, während der Berathungen über zwei verschiedene Gegenstände in dem französischen Gesetzgebenden Körper, war die Salle des Pas perdus in dem Gebäude des Corps legislativ, woselbst sich die Deputirten zu begegnen und in Privatgesprächen miteinander zu verständigen pflegten, mit zahlreichen lebhaft sich unterhaltenden Gruppen angefüllt.
So eben war die Nachricht verbreitet worden, daß das Plebiscit eine
beschlossene Sache sei, und daß die liberalen Minister Chevandier de
Valdrome, der Graf Daru, der Finanzminister Buffet und der Marquis von
Talhouet ihre Entlassung gegeben hätten.
Allgemein war die Bewegung und mit der lauten Lebhaftigkeit, welche dem französischen Charakter eigenthümlich ist, äußerten die Deputirten ihre Meinungen über dieses Ereigniß, welches die seit einiger Zeit von dem Kaiser eingeschlagene Richtung des öffentlichen Lebens wieder vollständig veränderte.
In der Mitte einer Gruppe stand der Graf von Keratry, eine schlanke
Gestalt mit einem charakteristischen Kopf, dessen unruhig umher
blickende Augen einen beweglichen feurigen, aber nicht sehr geordneten
Geist verriethen.