Der Kaiser nahm den Hut ab, und sein Blick flog über diese blitzenden Geschütze, über diese kühn blickenden Männer, über diese schnaubenden Pferde hin — ein Augenblick färbte ein leichtes Roth seine Züge, seine Augen leuchteten auf, fester richtete er sich im Sattel empor; da fiel sein Blick auf die Menge, welche sich bis dicht an die Truppen herangedrängt hatte und am Eingang des Gitterthors höchstens zehn Schritt von ihm entfernt war.

In der ersten Reihe der Zuschauer sah er eine lange, hagere Gestalt stehen, in zerrissene Lumpen gehüllt, das Haupt, welches aus diesen Lumpen hervorragte, war unbedeckt, sein dunkles Haar hing ungeordnet um die Schläfen herab; unter der vorspringenden niedrigen Stirn blickten dunkle tief liegende Augen hervor, eine lange, weit vorspringende Nase, tief eingesunkene Wangen und ein struppiger Bart gaben diesem Gesicht etwas Fanatisches und Krankhaftes.

Der Blick des Kaisers wurde unwillkürlich durch diese Erscheinung gefesselt, denn der Mann, der da unbeweglich stand, sah ihn mit einer Gluth so wilden und unversöhnlichen Hasses an, daß der Kaiser zusammenschauerte. Er wandte sich einen Augenblick um, als wolle er einen Befehl geben, dann blickte er wieder auf jenen Mann hin, dessen beide Hände frei waren und der ohne jede Bewegung starr wie eine Bildsäule da stand, — noch einmal erhob sich gewaltig und weithin über den Platz schallend das „Vive l'empereur“ der Truppen.

Dann trat eine augenblickliche tiefe Stille ein, der Marschall Canrobert sprengte an die Seite des Kaisers, um ihn beim Heranreiten der Fronte zu begleiten.

Napoleon gab seinem Pferde einen leichten Schenkeldruck, indem er noch einmal wie fascinirt nach jenem in Lumpen gehüllten Mann hinsah.

Da trat dieser Mann plötzlich einige Schritte vor, immer die Augen voll grimmigen fanatischen Hasses auf den Kaiser gerichtet. Er erhob die Arme nicht, er machte keine Bewegung, aber mit einer lauten, gellenden Stimme, welche schaurig durch die augenblickliche Stille, die dem lauten Rufen der Truppen gefolgt war, über den Hof hinschallte, rief er mehrere Male hinter einander:

„Nach Cayenne! Nach Cayenne!“

Napoleon parirte sein Pferd, die ganze Suite hielt an, ein Ruf des
Entsetzens ertönte aus der nächsten Umgebung des Kaisers. Verschiedene
Officiere waren im Augenblick vom Pferde gesprungen und hatten im Verein
mit einer großen Anzahl von Sergeants de Ville und Polizeibeamten in
Civil, welche im Nu aus der Menge der Zuschauer hervorbrachen, den
Unbekannten umringt und festgenommen.

Er machte keine Miene des Widerstands und ließ sich, nachdem er noch einmal einen Blick tiefen und unversöhnlichen Hasses auf den Kaiser geworfen, nach dem Erdgeschoß der Tuilerien hinführen.

Napoleon hatte schnell mit der ihm stets eigenen Selbstbeherrschung seine Ruhe wiedergefunden.