Lange noch blieb die Menge dicht gedrängt auf dem Platz versammelt, immer nach dem Fenster hinblickend und jedesmal, so oft die Gestalt des Königs oder auch nur ein vorübergehender Schatten dort sichtbar wurde, in erneute Rufe ausbrechend.

Endlich trat ein Leibjäger des Königs auf die Rampe hinaus, winkte einen der dort aufgestellten Schutzmänner heran und sprach einige Worte mit ihm.

Der Schutzmann näherte sich den Ersten in seiner Nähe.

„Meine Herren,“ sagte er, „Seine Majestät läßt bitten, nach Hause zu gehen, der König hat diese Nacht noch viel zu arbeiten.“

„Der König will Ruhe,“ ertönte es unmittelbar durch die Massen hin.
„Nach Hause! Nach Hause!“

Einen Augenblick legte sich eine tiefe Stille über den ganzen Platz.
Dann begannen einige Stimmen die feierliche, allbekannte Melodie des
„Heil Dir im Siegerkranz“ zu intoniren.

Mit gewaltigem Klang stieg dies Lied, das in so einfach großer Weise den Geist der unvergeßlichsten Zeit der preußischen Geschichte ausdrückte, zum nächtlichen Himmel auf, — dann wurde wieder Alles still.

Leise und ruhig nur in flüsternden Gesprächen sich unterhaltend, zerstreute sich diese ganze unabsehbare Menschenmenge, um dem Könige Ruhe zu lassen für seine Arbeit, welche dem deutschen Volk in den großen nationalen Entscheidungskämpfen den Sieg sichern sollte.

Bald lag der ganze weite Platz im schweigenden nächtlichen Dunkel, nur in den Zimmern des Königs brannte bis zum Morgen hin das Licht, welches die Arbeit beleuchtete, in die der unermüdliche Monarch sich mit seinem Minister und seinem Heerführer vertiefte, und durch die Scheiben des Fensters fiel der Strahl dieses Lichts in die Nacht hinaus, auf das aus der Dunkelheit in riesigen Umrissen hervortretende Denkmal des großen Königs hin, — die Sterne des Himmels blickten in ewiger lichter Ruhe herab auf die schlummernde Residenzstadt, welche im täuschenden Schein friedlicher Stille da lag, während sie schon in den nächsten Tagen Tausende ihre Söhne hinaussenden sollte, um auf blutigen Schlachtfeldern von Neuem ihre opferfreudige Treue für den König und das Vaterland zu beweisen.

Neuntes Capitel.