„Alle Mächte, Sire,“ erwiderte der Herzog von Gramont, „haben die Gerechtigkeit unserer Forderung auf Beseitigung der Hohenzollernschen Candidatur anerkannt, und es liegt in der Natur der Sache, daß Österreich, Schweden und Dänemark schon zu Anfang eine uns freundliche Neutralität beobachten werden. Auch rechne ich auf die Preußen so äußerst feindliche Stimmung in Süddeutschland, so wie auf die unterwühlten Zustände in den annectirten Provinzen.“
„Alles das ist gut,“ sagte der Kaiser mit einer leichten Nüance von Ungeduld im Ton, „aber wir haben keine bestimmten Thatsachen, keine bestimmten Erklärungen.“
„Ich kann die vielfachen Versicherungen des Herrn von Beust über die Identität der Interessen Frankreichs und Österreichs,“ erwiderte der Herzog, „nur als die Grundlage der bestimmten Erwartung ansehen, daß Österreich mindestens bei den ersten günstigen Erfolgen unserer Waffen activ auf unsere Seite treten werde. Noch gestern habe ich eine Depesche des Herrn von Beust erhalten, in welcher jene Versicherungen wiederholt werden und zugleich ausgesprochen ist, daß Österreich für den Erfolg unserer Waffen Alles in den Grenzen der Möglichkeit Liegende thun werde, — ich habe Eurer Majestät diese Depeschen sofort zugehen lassen —“
„Ich habe sie gelesen,“ sagte Napoleon die Achseln zuckend, „die Grenzen der österreichischen Möglichkeiten sind sehr weit gezogen, — Fürst Metternich hat mich beschworen, den Conflict zu vermeiden.“
„Sire,“ erwiderte der Herzog von Gramont, „ich gebe auf die officiellen Schritte Österreichs wenig, sie werden gethan, um nach allen Seiten hin sich zu decken und die neutrale Haltung constatiren zu können. Ich lege das Hauptgewicht auf meine Kenntnisse der dortigen Verhältnisse und auf den natürlichen und nothwendigen Wunsch, von dem sowohl der Kaiser als Herr von Beust beseelt sein müssen, jede Gelegenheit zu benutzen, um die Niederlage von 1866 wieder gut zu machen.“
„Ich rechne nicht auf Österreich,“ sagte der Kaiser, „seit Jahren habe ich dort nichts gefunden, als ohnmächtige Wünsche und schwankendes Zögern, das sich nach keiner Seite compromittiren möchte. Etwas Anderes ist es mit den Sympathien, die wir in Deutschland selbst finden könnten. Baiern und Würtemberg sind durch Frankreich auf ihre heutige Stellung erhoben, sie werden sich hoffentlich daran erinnern, und in Baiern hat ja die ultramontane Partei eifrig in diesem Sinne gearbeitet. Auf die annectirten Provinzen rechne ich weniger, — höchstens bei einem Rückzug der preußischen Armee könnte uns dort ein Aufstand unterstützen.“
„Ich muß Eurer Majestät mittheilen,“ sagte der Herzog von Gramont, „daß sich ein Graf Breda auf dem auswärtigen Ministerium gemeldet hat, welcher Propositionen zu einem Bündniß mit dem König von Hannover zu machen beauftragt sein will.“
„Graf Breda?“ fragte der Kaiser, „derselbe, der früher bei unserer
Gesandtschaft in Stockholm war und dort —“
„Derselbe, Sire,“ erwiderte der Herzog von Gramont, „er scheint jetzt im Dienste der Depossedirten seine unterbrochene diplomatische Carriere fortsetzen zu wollen.“
Der Kaiser zuckte die Achseln.