„So ganz platonisch,“ sagte der Kaiser lächelnd, „würde übrigens der Krieg nicht sein. Zunächst wird Jedermann erkennen, daß wenn wir siegen und wenn dadurch die Constituirung eines politisch und militairisch geeinigten Deutschlands unter preußischer Führung definitiv verhindert wird, die Erwerbung von Compensationen auf deutschem oder anderem Gebiet weit weniger nothwendig wird, als sie es wäre, wenn wir uns mit dem preußischen Deutschland in Güte verständigen wollten, — sodann aber wird wohl Niemand in ganz Europa dem siegreichen Frankreich das Recht streitig machen wollen, diejenigen Grenzen zurückzufordern, welche man ihm im Jahre 1814 zugestand, als es von der europäischen Coalition besiegt darniederlag, und Niemand wird in der Wiederherstellung dieser damals von ganz Europa sanctionirten Grenzen eine Eroberung erblicken können.“

Der Geheimsecretair Pietri trat durch den besondern, für ihn bestimmten
Eingang in das Cabinet.

„Sire,“ sagte er, „es sind zwei Depeschen vom auswärtigen Amt so eben gebracht worden, um dieselben dem Herrn Herzog von Gramont zu übergeben —“

„Ich habe die Anweisung hinterlassen, Sire,“ fiel der Herzog ein, „alle ankommenden Depeschen sofort hierherzubringen, da sie für die von Eurer Majestät zu fassenden Entschlüsse von Einfluß sein könnten.“

Der Kaiser neigte zustimmend den Kopf und auf seinen Wink reichte Pietri die beiden Depeschen, welche er in der Hand hielt, dem Herzog von Gramont, der sie schnell eröffnete und ihren Inhalt überflog.

Er erbleichte und eine unruhige, zornige Erregung trat an die Stelle der heitern, sorglosen Zuversicht, welche bisher auf seinen Zügen gelegen hatte.

„Nun,“ fragte der Kaiser, forschend in das so schnell veränderte Gesicht des Herzogs blickend.

„Sire,“ sagte der Herzog von Gramont, indem die Depeschen in seinen
Händen leise zitterten, „eine ebenso unerwartete als unangenehme
Nachricht! Aus München und Stuttgart wird gemeldet, daß man dort an dem
Bündniß mit Preußen festhält, die Armee mobil gemacht und unter den
Befehl des Königs von Preußen gestellt hat, — unsere Gesandten sehen
jeden Augenblick der Zustellung ihrer Pässe entgegen.“

Ollivier blickte ganz erstaunt und unruhig umher.

Der Marschall Leboeuf strich lächelnd über seinen dichten, mächtig hervorspringenden Kinnbart, — der Kaiser blickte einen Augenblick in düsterm Schweigen vor sich nieder, dann hob er mit klarem, stolzem Blick das Haupt wieder empor und sagte.