„Ich bringe Ihnen noch einmal meinen Sohn, gnädige Frau,“ sagte der Oberstlieutenant, „er muß noch heute zu seinem Regiment abgehen, um in die beste Kriegsschule hinauszuziehen, — draußen im Felde, wo man in einem Monat mehr lernt, als in Jahren hinter den Büchern. Er wollte in der Eile gar keine Besuche machen, aber hier von den alten Freunden seines Vaters muß er sich doch verschieden, bevor er auszieht, um sich den Feldmarschallstab zu erkämpfen,“ fügte er lächelnd hinzu. „Er hat es glücklich getroffen, mir wurde es in meiner Jugend nicht so gut, ich habe mich während meiner besten Jahre durch den ewigen Garnisonsdienst hindurch schleppen müssen, in welchem Körper und Geist müde werden.“
„Unsere herzlichsten Wünsche werden Sie begleiten,“ sagte Frau von Rantow zu dem jungen Officier. „Aber Sie, lieber Büchenfeld,“ fuhr sie lächelnd fort, „tragen ja auch wieder Uniform, Sie wollen doch nicht etwa auch mit hinausziehen —“
„Wollte Gott, ich könnte es,“ sagte der Oberstlieutenant traurig, „doch mein Podagra sorgt schon dafür, daß ich hier bleiben muß. Aber,“ fuhr er, sich militairisch aufrichtend, fort, „ich habe mich um ein Etappencommando beworben und es erhalten und so habe ich doch wenigstens das Herzeleid nicht, daß ich in dieser Zeit unthätig im Civilrock einhergehen muß. Ich kann wenigstens die alte Uniform tragen und dem Könige dienen, so gut es mir noch möglich ist.“
Der Oberstlieutenant und sein Sohn blieben etwa eine Viertelstunde lang, während welcher die Unterhaltung fast ausschließlich von dem alten Herrn und dem Baron geführt wurde.
Der Oberstlieutenant war in sprudelnd heiterer Laune, im Herzen des alten Soldaten fand der Gedanke an die Gefahren, denen sein Sohn entgegen ging, keinen Platz, für ihn war der Krieg der Beruf des Officiers, er dachte nur an die Hoffnung auf Ruhm und Ehre, welche dieser Krieg in sich schloß und fühlte sich neu geboren in dem Gedanken, daß auch er in dieser großen Zeit noch einmal in der Lage sei, Dienst zu thun und den Rock des Königs zu tragen.
„Wir müssen aufbrechen,“ sagte er endlich, „ich weiß noch nicht, wo meine Bestimmung sein wird und erwarte dieselbe stündlich, — mein Sohn hat nur noch kurze Zeit bis zu seiner Abreise.“
Er küßte mit ritterlicher, etwas altmodischer Galanterie der Frau von
Rantow die Hand und drückte lange und herzlich die Rechte des Barons.
Der Lieutenant, welcher während der ganzen Zeit ernst und stumm mit niedergeschlagenem Blick da gesessen hatte, erhob sich, in rascher Bewegung trat der junge Herr von Rantow auf ihn zu.
„Lebe wohl, Büchenfeld,“ sprach er, — „in einer Zeit, wie die jetzige, muß jeder vergangene Groll vergessen werden. Gott schütze Dich! Ich werde mit den Johannitern der Armee folgen und sollte Dir ein Unglück begegnen, so hoffe ich, daß ein gütiges Schicksal mich zu Dir führen wird, um Dir beizustehen.“
Der Lieutenant hatte bei den Worten des Barons eine unwillkürliche Bewegung gemacht, als wolle er von demselben zurücktreten. Abermals färbte sich sein Gesicht mit dunklem Roth, er schlug die Augen auf und richtete seine Blicke an dem Baron vorbei, mit bitterem, feindlichem Ausdruck auf Fräulein Anna.