„Frei! Frei! Oh! mein Gott, vergieb mir, daß ich an Deiner Gerechtigkeit gezweifelt habe. Es war ja unmöglich, daß das Werk finsterer Bosheit triumphiren konnte. Ich darf also zu meiner Mutter zurückkehren, ich darf —“

„Sie sind frei und außer aller Verfolgung,“ sagte der Beamte, „aber Sie stehen in der allgemeinen Landwehrpflicht, hier ist eine Einberufungsordre für Sie, welche Ihnen befiehlt, sich sogleich in Hannover zu stellen, um dem Regiment, für welches Sie bestimmt sind, zugetheilt zu werden. Sind Sie bereit,“ fuhr er mit einem forschenden Blick auf den jungen Mann fort, „diese Pflicht zu erfüllen?“

„Bereit?“ rief Cappei, indem ein Blitz aus seinen Augen zuckte, „bereit? Oh, Herr Amtmann,“ fuhr er fort, den Arm erhebend, „geben Sie mir eine Waffe in die Hand, um hinaus zu ziehen in den Kampf gegen jenes Land, dessen Erde den Elenden trägt, der mich verderben wollte, und der das Glück und die Hoffnung meines Lebens zerstört hat — er wird auch dort nicht müßig gewesen sein,“ fügte er mit bitterm Lachen hinzu, „und nachdem er meiner Luise den Glauben an mich geraubt hat, wird er ihrem leidenden Herzen sich als tröstender Freund genähert haben — aber die rächende Gerechtigkeit wird mich führen, daß ich auf den Wegen dieses Krieges ihm begegne, um ihn zu vernichten und, wenn es Gott will, vielleicht noch seine Pläne zu durchkreuzen.“

„Sie sind also bereit, sich sofort Ihrer Ordre gemäß zu stellen und den Fahneneid zu leisten, den man natürlich nochmals von Ihnen verlangen wird, da Sie früher dem Könige von Hannover geschworen haben.“

„Ich bin bereit,“ sagte Cappei.

„Sie dürfen nicht vergessen,“ fuhr der Beamte ernst fort, „daß wenn Sie den Versuch machen sollten, Ihre Freiheit zu benutzen, um sich Ihrer Landwehrpflicht zu entziehen, Sie damit das Verbrechen der Desertion begehen würden, welches im gegenwärtigen Kriegszustande unfehlbar die Todesstrafe nach sich zieht.“

„Seien Sie unbesorgt, Herr Amtmann,“ rief Cappei, „ich werde mich pünktlich stellen, und ich wünsche nur, daß mein Regiment das erste sei, welches die französischen Grenzen überschreitet. Darf ich vorher meine Mutter und meinen Oheim besuchen?“ fragte er dann.

„Sie sind vollkommen frei zu thun, was Sie wollen,“ sagte der Beamte, „vorausgesetzt, daß Sie sich pünktlich zur rechten Zeit zur Einstellung melden. Leben Sie wohl. Ich freue mich, daß Ihre Angelegenheit dies Ende genommen hat, und ich wünsche, daß Sie gesund und wohl behalten aus dem Kriege zurückkehren mögen.“

Er neigte freundlich den Kopf.

Cappei grüßte in militairischer Haltung und verließ kräftigen und festen
Schrittes das Zimmer.