„Der Marschall Leboeuf,“ meldete die dienstthuende Ordonnanz.
„Dein böser Genius,“ sagte Prinz Napoleon und wandte sich zum Fenster hin, ohne den Gruß des eintretenden Marschalls zu erwidern, welcher mit ruhig heiterer Miene in das Zimmer trat und mit seiner vollen, langsamen Stimme sagte:
„Die Regimenter, welche Eure Majestät heute zu mustern befahl, stehen an dem Eingang der Straße nach Thionville bereit, wenn Eure Majestät die Gnade haben wollen, hinauszureiten.“
„Der Kaiser sollte lieber die Commandos, die Arsenale und die
Feldzugspläne besichtigen, als diese armen unglücklichen Truppen, die
verlorenen Schlachtopfer einer entsetzlichen Vernachlässigung, in
Augenschein zu nehmen,“ rief der Prinz Napoleon, sich schnell umwendend.
Der Marschall Leboeuf richtete sich hoch auf und blickte mit seinen großen, etwas vorstehenden Augen den Prinzen starr an.
„Das Alles ist von mir geordnet,“ sprach er, „und der Kriegsplan sichert, wie ich glaube, so gut als das möglich ist, den Erfolg.“
„Der Kriegsplan,“ rief der Prinz, „das nennen Sie einen Kriegsplan, Herr Marschall, einen Plan, der darin besteht, auf dieser ganzen weiten Linie von Straßburg bis Thionville die Armeecorps wie einen Zoll-Cordon auszustreuen, so daß sie sich weder einzeln behaupten, noch gegenseitig unterstützen können. Der Vorstoß der preußischen Armee wird das Alles aufrollen und zerbröckeln, ehe man überhaupt noch zum Nachdenken gekommen ist, und all' die Tapferkeit dieser braven Soldaten wird vergebens sein. Wenn der Krieg,“ fuhr er immer heftiger fort, „in dem Gehirn einzelner Menschen seit Monaten beschlossen war, wenn er seit vierzehn Tagen erklärt ist, so verstehe ich nicht, daß während die deutsche Armee in erdrückenden Massen auf uns losrückt, man da nicht ein einziges Corps mit dem Nöthigen versehen, vollständig hat hinstellen können.“
Bevor der Marschall antworten konnte, erhob sich der Kaiser, faltete die zerknitterten Depeschen in seiner Hand auseinander, richte sie dem Marschall und sprach mit kaltem, strengem Ton:
„Ich bitte Sie, Herr Marschall, diese Depeschen zu lesen, welche ich so eben aus Paris erhalten habe.“
Der Marschall nahm die Depeschen eine nach der andern und las: