Eines Morgens war sein Oheim allein auf das Feld gegangen, er war unter dem Vorwand einer notwendigen häuslichen Arbeit zu Hause zurückgeblieben, — fast ängstlich, mit ähnlichen Gefühlen, wie einst als Knabe, wenn er irgend einen Fehltritt einzugestehen hatte, trat er in das Wohnzimmer, setzte sich neben den Lehnstuhl seiner Mutter und ergriff die Hand der alten Frau, indem er ihr halb fragend, halb bittend in die Augen sah, die Worte suchend, um die Gefühle seines unruhigen, gedrückten Herzens auszusprechen.
Die alte Frau sah ihren Sohn freundlich und liebevoll mit ihren großen, klaren Augen an. Sie hatte ruhig gewartet, sie wußte, daß der Tag kommen mußte, an welchem sein Herz sich seiner Mutter öffnen würde, die Stunde war da, sie war bereit, ihn anzuhören und sein Vertrauen mit all der selbstlosen Liebe zu erwidern, an welcher das mütterliche Herz so unerschöpflich reich ist.
„Meine Mutter,“ sagte der junge Mann mit leicht zitternder Stimme, „ich bin überaus glücklich gewesen, daß ich Sie und den Oheim, unser Dorf und das alte Haus wiedergesehen habe.“
Er hielt einen Augenblick inne.
„Und wir nicht minder, mein Sohn,“ sagte die alte Frau, „daß wir Dich nach so langer Trennung hier wieder bei uns haben.“
Der junge Cappei schwieg einige Augenblicke, indem er sanft die welke
Hand der alten Frau streichelte.
„Ich bin aber doch,“ sagte er dann, „nicht glücklich, wie ich es sonst bei Euch war, ich bin unruhig und habe lange die Gelegenheit gesucht, mit Euch allein zu sprechen, denn ich muß Euch Alles sagen, bevor ich mit dem Oheim darüber rede, der gleich so heftig und aufbrausend ist.“
Die alte Frau sah ihn mit glänzenden, liebevollen Blicken an, sie fühlte, daß jetzt der Augenblick gekommen sei, in welchem das Räthsel sich lösen müsse, sie sah die Befangenheit ihres Sohnes mit dem feinen Tact, welcher das Eigenthum der Frauen aller Stände ist, — sie mußte ihm entgegenkommen.
„Du hast liebe Freunde in Frankreich zurückgelassen?“ sagte sie.
„Ach ja, Mutter,“ erwiderte er, „sehr liebe Freunde, sie sind Alle immer so gut gegen mich gewesen, und es wurde mir recht schwer, mich von ihnen zu trennen,“ fügte er seufzend hinzu.