Der Graf von Monte Molin neigte artig das Haupt.

Die Königin winkte durch die Glaswand nach dem andern Zimmer hin, in welchem ihr Gefolge zurückgeblieben war, und kurze Zeit darauf führte die Gräfin Ezpeleta den dreizehnjährigen Prinzen Alphons von Asturien und seine drei jüngeren Schwestern in das Cabinet, worauf sie sich wieder in das Vorzimmer zurückzog.

Der Prinz von Asturien, ein bleicher, zarter Knabe mit sanftem und kränklichem, aber intelligentem Gesicht, in einen Anzug von schwarzem Sammet gekleidet, welcher die zarte Farbe seines Gesichts noch mehr hervorhob, näherte sich mit offenem und unbefangenem Anstand dem Grafen von Monte Molin. Er küßte seinem Oheim die Hand, während die drei Infantinnen sich in einer gewissen kindlichen Befangenheit neben den Stuhl ihrer Mutter stellten.

„Don Alphonso,“ sagte die Königin, ihren Sohn vorfallend, „Donna Maria del Pilar — Donna Maria della Pay, — Donna Eulalia,“ — fuhr sie fort, die kleinen Prinzessinnen bezeichnend, welche sich nach der Reihe ihrem Oheim näherten und ihre Lippen auf seine Hand drückten.

Das bisher so ernste, strenge und unbewegliche Gesicht des Grafen von Monte Molin wurde einen Augenblick von einem feuchten Schimmer überstrahlt. Ein weiches und inniges Gefühl leuchtete aus seinen Augen, wie in unwillkürlicher Bewegung umarmte er den Prinzen von Asturien, zog dann die kleinen Infantinnen an sich heran und küßte sie eine nach der andern auf die Stirn.

„Die lieben Kinder,“ sagte er, — „die Glücklichen, die noch allen Sorgen des Lebens — und der Politik fern stehen, — Gott segne sie.“

Die Königin hatte mit bewegtem Ausdruck diese Scene mit angesehen, eine tiefe, mächtige Rührung zuckte über ihr Gesicht, ein feuchter Schimmer verhüllte ihren Blick. Dann winkte sie mit der Hand, die Gräfin Ezpeleta erschien wieder und führte, sich tief und ceremoniell verneigend, die Kinder hinaus.

„Ich habe Sie gebeten, zu nur zu kommen, mein Vetter,“ sagte die Königin, „um mit Ihnen über die Lage Spaniens zu sprechen und mit Ihnen zu berathen, was wir, die wir durch unser Blut mit dem Geschick der spanischen Nation verknüpft sind, thun können, um das edle Volk aus seiner traurigen Lage zu befreien und um auch in unserm Hause den Frieden wieder herzustellen.“

Das Gesicht des Grafen von Monte Molin nahm wieder seinen früheren, kalten und strengen Ausdruck an.

„Über die spanische Nation,“ sagte er, „ist das Strafgericht hereingebrochen, dem kein Volk entgehen kann, das sich von Gott abwendet und das heilige Recht seiner Könige verleugnet. Spanien wird durch dieses Strafgericht geläutert und so Gott will, einer glücklichen Zukunft zugeführt werden.“