„Ich theile vollkommen die Ansicht Eurer Majestät,“ sagte dieser. „Und es sind in diesem Sinne alle Einleitungen getroffen, der Generalprocurator Grandperret soll einen Bericht an mich erstatten, welcher das Complott in seinem ganzen Zusammenhange darstellt und die Einberufung des hohen Gerichtshofes beantragt. Ich werde diesen Bericht des Generalprocurators, der bereits morgen in meinen Händen sein soll, Eurer Majestät überreichen und zugleich den Entwurf eines Decrets beilegen, welcher die Einberufung des hohen Gerichtshofes anordnet. Sobald das geschehen, werden alle Verhaftungen, welche auf Grund der von dem Generalprocurator Grandperret anzustellenden Anklageacte vorgenommen werden müssen, gerichtliche und nicht mehr polizeiliche Maßregeln sein.“

„Sehr gut,“ sagte der Kaiser, „ich erwarte Ihren Bericht, mein lieber Herr Ollivier, und ich hoffe,“ fügte er sich zu Pietri wendend hinzu, „daß Ihre Agenten geschickt genug sein werden, um keinen der Schuldigen entwischen zu lassen.“

„Eure Majestät können überzeugt sein,“ erwiderte der Polizeipräfect, „daß in meinem Ressort geschehen wird, was nur irgend zu thun möglich ist, dennoch aber möchte ich bitten, einige Personen welche ich dem Herrn Generalprocurator bezeichnen werde, von der Verhaftung auszuschließen. Es sind die Personen welche wir genau zu überwachen in der Lage sind, und durch welche wir in Folge dieser Überwachung fortwährend Kunde von den Fäden erhalten, durch welche die revolutionäre Bewegung im ganzen Lande geleitet wird. Würden diese Personen verhaftet werden, so würde uns sich eine Quelle sehr wichtiger Nachrichten verschließen, und wir würden gezwungen sein, viele Zeit aufzuwenden, um neue Netze zu knüpfen.“

Der Kaiser lächelte.

„Ich verstehe,“ sagte er — „nicht wahr, mein lieber Herr Ollivier, Sie finden den Wunsch des Herrn Pietri gerechtfertigt —“

„So fern dadurch,“ sagte der Justizminister, „der gerichtlichen
Verfolgung keine Beweise entzogen werden.“

„Sie können sicher sein,“ sagte Herr Pietri, „daß diejenigen Personen, um welche es sich handelt, — und zu denen in erster Linie der eitle Schwätzer Raoul Rigault gehört, so vollständig umstellt sind, daß keine ihrer Bewegungen, keines ihrer Worte uns entgeht, und daß ihre Verhaftung, wenn sie jemals nothwendig werden sollte, jeden Augenblick stattfinden kann. Es ist aber eine alte Regel der polizeilichen Praxis,“ fügte er hinzu, „in großen und besonders bedeutungsvollen Fällen immer einige der betreffenden Personen in scheinbarer Freiheit zu lassen, um, wenn es nöthig ist, durch sie das herstellen zu können, was man mit dem technischen Ausdruck eine „Mausefalle“ nennt. Hat man einmal alle Personen, von denen man irgend etwas weiß, im Gefängniß eingeschlossen, so ist es kaum möglich, irgend etwas Weiteres und Neues zu erfahren.“

„Ich bitte Sie also,“ sagte Herr Ollivier, „sich mit dem
Generalprocurator Grandperret über diesen Punkt zu verständigen.“

„Der Herr Marschall Kriegsminister,“ meldete der Kammerdiener.

„Ich bitte den Marschall einzutreten,“ erwiderte der Kaiser.