„Alles vergebens,“ rief die Königin, als der Graf von Ezpeleta zu ihr zurückgekehrt war und fragenden Blickes in ihr Cabinet eintrat, — „Alles vergebens! Er ist unbeugsam! Er steht unerschütterlich fest auf dem Boden seines Rechts. Und es wäre doch so schön gewesen,“ rief sie, „wenn diese Verständigung gelungen wäre. Er hat mächtige Anhänger, wenn sie sich mit den meinigen vereinigten, sie hätten die größten Aussichten auf Erfolg gehabt. Aber so,“ fuhr sie fort, indem sie ihr Taschentuch heftig zusammendrückte, „ist Alles in Frage gestellt. Man verlangt von mir die Abdankung. Aber was wird dadurch gewonnen, wenn nicht zu Gunsten meines Sohnes eine große, monarchische Partei gebildet werden kann? — ich würde mein Recht aufgeben, ohne ihm dadurch die Nachfolge sichern zu können —“
Eine Bewegung machte sich im Vorzimmer bemerkbar.
Eiligst trat Herr von Albacete durch die Thür der großen Glaswand in das
Cabinet der Königin.
„Seine Majestät der Kaiser ist so eben in den Hof gefahren!“ rief er und eilte schnell wieder hinweg, um den Kaiser zu begrüßen.
Der Graf Ezpeleta folgte ihm, und die Königin ging mit ihren Damen abermals nach dem Ausgang der großen Treppe, an welcher sie sich kurz vorher von dem Grafen von Monte Molin verabschiedet hatte.
Langsam und etwas schwerfälligen Schrittes stieg Napoleon die Stufen hinauf.
Er trug einen schwarzen Überrock und hielt seinen Hut und ein spanisches
Rohr mit goldenem Knopf in der Hand. Mit tiefer Verbeugung küßte er der
Königin die Hand und führte sie in das Cabinet zurück.
„Ich habe Ihnen gute Nachrichten zu bringen, Madame,“ sagte er, nachdem er ihr gegenüber vor dem Kamin Platz genommen. „Wie befinden sich die Infanten?“
„Ich danke, Eure Majestät,“ erwiderte die Königin, auf deren Gesicht bei den ersten Worten des Kaisers der Ausdruck gespannter Erwartung erschienen war, „sie befinden sich vortrefflich in dieser schönen Luft des gastfreien Frankreichs, welche für sie nur den einzigen Fehler hat, daß sie die Luft des Exils ist.“
„Und der König Don Franzesco,“ fragte der Kaiser, indem er leicht mit der Hand über seinen Schnurrbart fuhr.