In dem Saal hörte man jenes leise Flüstern, welches an den Höfen dem
Eintritt der Souveraine vorauszugehen pflegt.

Die Stunde war gekommen, zu welcher Ihre Majestät die verschiedenen
Personen befohlen hatte. Die Eingangsthür öffnete sich — aber noch war es
nicht die Königin, sondern es erschien ebenfalls in großem Galacostüm
der Herzog von Sesto, der Gemahl der Wittwe des Grafen von Morny und der
Marquis von Miraflores. Ihnen folgte der Marschall Bazaine in der großen
Uniform der Marschälle von Frankreich und der Präsident des
Civilgerichts Herr Benoist-Champy in der Hofgalatracht der
Justizbeamten.

Abermals verging eine kurze Zeit in schweigender Erwartung. Dann
sprangen die Flügelthüren auf. Graf Ezpeleta eilte in die anstoßenden
Gemächer Ihrer Majestät und trat bald darauf in den Saal zurück, mit dem
Stabe auf das Parquet stoßend und die Königin ankündigend.

Unmittelbar darauf trat die Königin in den Saal, sie trug eine faltige
Robe von schwarzem Sammet, ein Diadem von Brillanten auf dem Haupte,
den Hermelin um die Schultern, das goldene Vließ an der Kette um den
Hals und das große Band vom Orden Karl's III. über der Brust.

An der rechten Seite der Königin, einen Schritt zurück, folgte die Königin Christine, ebenfalls in schwarzen Sammet gekleidet, ebenfalls mit dem goldenem Vließ und dem Orden Karl III. decorirt. Die hohe Gestalt der Königin Christine, ihre scharf geschnittenen, harten und etwas starren Züge zeigten wenig Ähnlichkeit mit ihrer Tochter, deren sanfte, weiche Augen von Thränen geröthet erschienen, und deren großer Mund mit den starken, vollen Lippen, durch den Ausdruck trauriger und stiller Resignation, welcher auf demselben lag, schöner und anmuthiger als sonst erschien.

Zur linken Seite der Königin ebenfalls einen Schritt zurück trat der
Prinz von Asturien in den Saal. Er trug einen Knabenanzug von schwarzem
Sammet, ebenfalls das goldene Vließ um den Hals, das blaue Band von dem
Orden Karl's III. über der Brust, den Stern an dem kleinen Jaquet.

Der Prinz war bleich und blickte voll liebevoller Theilnahme auf seine Mutter hin. Seine ganze Erscheinung war unendlich anmuthig und sympathisch, und als er mit einem halb kindlich verlegenen, halb fürstlich stolzen Kopfnicken, die sich tief verneigende Versammlung begrüßte, bot er ein ungemein interessantes und anziehendes Bild dar.

Der alte Infant Don Sebastian, ein Mann mit grauem Haar und ruhigen, gleichgültigen Gesichtszügen in der großen spanischen Generalsuniform folgte.

Die Königin durchschritt mit dem fürstlichen Anstande, welcher ihr trotz ihrer corpulenten und kleinen Figur eigenthümlich war, den Saal und setzte sich in den mittelsten der drei Lehnstühle.

Die Königin Christine nahm ihr zur Rechten Platz.