Isabella näherte sich dem Tisch, auf welchem der Graf von Ezpeleta die Abdicationsurkunde niedergelegt hatte. Der Herzog von Sesto reichte der Königin die Feder und mit einem raschen, kräftigen Zug unterzeichnete sie das Dokument. Dann wandte sie sich um, ergriff den Prinzen von Asturien bei der Hand und führte ihn zu dem mittleren Lehnstuhl, welchen sie vorhin eingenommen hatte. Sie neigte sich leicht gegen ihren Sohn und setzte sich in den Sessel zu seiner Linken.

Der Hof trat heran, alle anwesenden Spanier defilirten an dem jungen
Prinzen, der hier in der Verbannung zum König von Spanien proclamirt
war, vorüber, beugten das Knie vor ihm und drückten die Lippen auf seine
Hand, die er Jedem reichte.

Nachdem die Ceremonie vorüber war, wandte sich die Königin Isabella an ihren Sohn.

„Ich bitte Eure Majestät um die Erlaubniß,“ sagte sie in französischer Sprache mit starkem spanischem Guttural-Accent, „in Ihrer Gegenwart noch ein Document aufnehmen zu dürfen, welches nicht die Politik betrifft, sondern nur die Privatangelegenheiten unseres Hauses ordnet. Es ist mein Testament, das ich für den Fall der Rathschluß Gottes die Wiederherstellung des Thrones unseres Hauses nicht gestatten sollte, nach französischem Recht habe aufnehmen lassen, und welches der Herr Präsident des Civilgerichtshofes und der erlauchte Marschall, der uns die Freude seiner Gegenwart macht, als Zeugen unterzeichnen sollen.“

Don Alphonso wandte sich in rascher Bewegung zu seiner Mutter, umarmte sie zärtlich und küßte ihr ehrerbietig die Hand.

Herr Benoist-Champy trat an den Tisch, nahm ein ziemlich umfangreiches
Dokument aus der Mappe und sagte:

„Eure Majestät erklären also hier vor dem Herrn Francois Achille Bazaine, Marschall von Frankreich, und vor mir, daß dieses Document, dessen Inhalt Ihnen wohl bekannt ist, Ihre letztwillige Verfügung über Ihr Privatvermögen enthält, und daß alle darin enthaltenen Bestimmungen im Falle Ihres Todes gültig und unantastbar sein sollen, und wollen in unserer Gegenwart aus völlig freiem Willen und eigenem Entschluß dies durch Ihre Namensunterschrift bekräftigen?“

„Ich will es,“ sagte die Königin, trat an den Tisch und unterzeichnete die Testamentsurkunde.

Der Marschall Bazaine und Herr Benoist-Champy setzten ihre Namen unter denjenigen der Königin.

„Ich bitte nun Eure Majestät, zu befehlen,“ sagte die Königin Isabella, sich abermals an ihren Sohn wendend, „daß von der Abdankungsurkunde ebenso wie von meinem Testamente drei beglaubigte Abschriften genommen werden mögen, und daß von denselben eine dem Herzog von Sesto, eine dem Marquis von Miraflores und eine Seiner Majestät dem Kaiser der Franzosen übergeben werde.“