„Ich hoffe das,“ sagte der Kaiser kalt und ruhig, „indessen muß ich für den Fall eines verhängnißvollen Ereignisses meine Bestimmung treffen, als ob es sich um eine dritte Person handelte. Sollte ich,“ fuhr er fort, „das Opfer eines Dolches, eines Revolvers oder einer Bombe werden, so werden Sie unverzüglich die ganze Garnison von Paris unter die Waffen treten lassen, meinen Sohn zum Kaiser proclamiren und die Truppen ihm und der Regentin den Eid der Treue schwören lassen. Sie werden jeden Versuch einer Bewegung in der Hauptstadt mit rücksichtsloser Strenge niederwerfen und die Regierung genau so fortführen, als ob sich Nichts geändert habe — Nichts,“ fügte er mit einem Anklang leiser Wehmuth hinzu, „als daß neben dem Namen des Kaisers eine IV statt einer III steht. Besprechen Sie mir das, geben Sie mir Ihr Wort darauf.“

Er streckte Ollivier mit einer Bewegung voll Hoheit und liebenswürdiger
Herzlichkeit zugleich die Hand hin.

„Ich schwöre es Eurer Majestät,“ rief Ollivier mit einer von innerer Bewegung erstickten Stimme, indem er seine Hand in die des Kaisers legte.

„So haben wir Vorsorge getroffen,“ sprach Napoleon im ruhigen, heiteren Ton weiter, „für den Fall eines unglücklichen Verhängnisses, jetzt lassen Sie uns an die Gegenwart und ihre Forderungen herantreten. Nachdem das Plebiscit dem Kaiserreich von Neuem die feste Grundlage des Nationalwillens gesichert hat, müssen wir darauf denken, die Regierung, selbst wenn sie sich in einem provisorischen Stadium befindet, wieder zu consolidiren. Das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten vor allen Dingen, welches Sie seit dem Rücktritt des Grafen Daru mit so großer Opferbereitwilligkeit neben der Last aller Ihrer übrigen Arbeiten geführt haben, muß, wie es mir scheint, definitiv besetzt werden.“

Herr Ollivier schien durch diese Bemerkung des Kaisers nicht besonders angenehm berührt zu werden.

„Es ist mir eine Freude gewesen, meine Arbeitskraft auch in diesem erhöhten Maße dem Dienste Eurer Majestät zu widmen. Und bis zu diesem Augenblick,“ fügte er mit einem gewissen selbstbewußten Lächeln hinzu, „ist mir diese Last nicht zu schwer geworden. Nicht, um mich den vermehrten Arbeiten zu entziehen, möchte ich Eure Majestät zur Besetzung des auswärtigen Portefeuille drängen.“

„Ich weiß, mein lieber Minister,“ sagte der Kaiser verbindlich, „daß Sie keine Mühe scheuen, und daß Ihre eminente Kraft auch die schwerste Last leicht zu ertragen im Stande ist. Indessen wird die gesammte politische Leitung der Regierung Sie in der nächsten Zeit, in welcher alles jetzt Geschaffene befestigt werden muß, so sehr in Anspruch nehmen, daß ich nicht die Detailarbeiten Ihnen auch noch aufbürden möchte. Es kommt darauf an,“ fuhr er fort, „einen Minister der auswärtigen Angelegenheiten zu finden, welcher die für den internationalen Verkehr erforderliche Geschmeidigkeit mit dem festen Willen und der Kraft vereint, die Würde und die Interessen Frankreichs nach außen hin energisch zu vertreten, und welcher zugleich mit den Grundsätzen, nach welchen Sie zu meiner großen Freude meine Regierung führen, völlig übereinstimmt. Ich habe geglaubt, daß Drouyn de L'huys, welcher bereits mehrere Male die auswärtige Politik Frankreichs geführt hat, im wesentlichen die erforderlichen Eigenschaften besitzt, es würde nur darauf ankommen, ob Sie glauben, mit demselben in inniger und aufrichtiger Uebereinstimmung zusammen arbeiten zu können.“

Herr Ollivier schien noch immer unter dem Eindruck einer gewissen
Verstimmung sich zu befinden.

„Ich achte Herrn Drouyn de L'huys hoch,“ sagte er mit einiger Zurückhaltung, „er ist ein Mann von großer und ausgedehnter Erfahrung, von tiefen Kenntnissen und großer Charakterfestigkeit. Freilich,“ fuhr er fort, „sagt man, daß diese Charakterfestigkeit zuweilen ein wenig die Grenzen des Eigensinns streifen soll, —“

„Man hat nicht ganz Unrecht,“ fiel Napoleon, leicht das Haupt neigend, ein. „Indeß glaube ich, daß es Ihnen bei Ihrer Gewandtheit, Andere zu überzeugen, nicht schwer werden würde“ —