„Ich war so zufrieden, diese Angelegenheit endlich beendet zu wissen,“ sagte er leise.

Die Kaiserin zuckte fast unmerklich die Achseln, ein Blitz sprühte aus ihren Augen.

„Glauben Sie denn,“ sagte Napoleon sich zum Herzog von Gramont wendend, „daß eine solche Erklärung, wie sie der Baron für nöthig hält, zu erreichen und schnell zu erreichen möglich sei, damit diese Sache nicht noch mehr in die Länge gezogen werde und die öffentliche Meinung sich immer mehr echauffire.“

„Ich bin überzeugt, Sire,“ sagte der Herzog, „daß nichts leichter sein wird, als eine solche definitive Erklärung zu erlangen, um so mehr, wenn man die Form wählt, welche der Baron David so eben schon angedeutet hat, die Form eines persönlichen Briefes des Königs Wilhelm an Eure Majestät und sich damit gewißermassen auf den vom Könige selbst eingenommenen Standpunkt stellt, daß diese ganze Angelegenheit ihn nur persönlich als Chef seines Hauses berühre und die preußische Regierung als solche nichts angehe. Wenn Benedetti, der ja dem Könige eine angenehme und sympathische Person ist, in der ihm eigenen geschickten Weise die Sache dort darstellt, so bin ich überzeugt, daß der König keinen Augenblick zögern wird, einen Brief an Eure Majestät zu schreiben, der die geforderte Erklärung enthält und den man ja dann nachher der öffentlichen Meinung in Frankreich dennoch als einen Act der preußischen Regierung wird darstellen können. Denn,“ fügte er lächelnd hinzu, „diese öffentliche Meinung kann sich nicht zu dem subtilen Unterschied erheben, welchen Seine preußische Majestät zwischen seinen beiden Eigenschaften als Familienchef und Staatsoberhaupt zu machen sich gefällt.“

„Die Sache müßte aber durchaus,“ sagte der Kaiser, „in aller vorsichtigster und versöhnlichster Weise behandelt werden, damit ja kein ernster Conflict daraus entsteht.“

„Und wenn ein solcher Conflict daraus entstünde,“ rief die Kaiserin, welche ihre innere Erregung nicht länger bemeistern konnte, „wollen wir davor zurückschrecken? Soll Frankreich, welches in der Krim und in Italien gesiegt hat, welches die Adler des großen Kaisers auf seinen Fahnen trägt, sich von einem Wege abschrecken lassen, welchen das Recht und die Ehre, die Klugheit, ja die politische Nothwendigkeit vorschreibt, aus Besorgniß, daß der Widerstand der Gegner auf diesem Wege kriegerische Verwickelungen entstehen lassen könnte? Unsere Armee ist im herrlichsten Zustand, sie brennt vor Ungeduld, zu zeigen, daß sie noch immer die erste in Europa ist.“

„Was sagt der Marschall Leboeuf,“ fragte der Kaiser den sinnenden, sorgenvollen, nachdenklichen Blick auf den Herzog von Gramont gerichtet.

„Der Marschall erklärt, so bereit zu sein, als nur immer möglich,“ erwiderte der Herzog, „er wird Eurer Majestät ohne Zweifel den Beweis darüber liefern —“

„Auch sind wir der thätigen Mitwirkung Österreichs sicher,“ rief die Kaiserin, „um dieses übermüthige Preußen von zwei Seiten zu fassen und ihm zu zeigen, was es heißt, Frankreich zu beleidigen.“

„Österreich,“ sagte der Kaiser, abermals fragend den Blick auf den Herzog von Gramont richtend, „glauben Sie, daß wir auf Österreich rechnen können — Fürst Metternich sagt das Gegentheil wie Sie wissen werden,“ fügte er mit scharfer Betonung hinzu.