Wie das so kam, diese zweite Heirat? Wenn ich dir davon sprechen will, so muß ich mitten hineinspringen in dieses Erlebnis. Ich will nicht lange erzählen von den einsamen Jahren, die zwischen jener gescheiterten Verlobung und dieser, meiner neuen Ehe lagen. Jahre waren es des schmerzlichen Kampfes um Kraft und Leben und Stimme. Nichts Lebendes erhält sich ohne Wärme. Ich aber sollte ohne diese Wärme nicht nur mein Leben behaupten, sondern noch das retten, was ein Überschuß an Lebenskraft ist: die Stimme.
Niemand begegnete mir, der mir vertraut erschienen wäre. Auch fürchtete ich mich nun beinahe vor allem, was aussah, wie eine neue Herausforderung des Schicksals. Hatte ich doch übergenug von »Abenteuern«.
Nie habe ich etwas »erzielen«, geschweige denn erzwingen wollen. Nur wenn es selbst mich zwang, erkannte ich es an als notwendig, erlaubt, – verhängt.
Während dieser Jahre erhielt ich verschiedene solide, ehrbare Anträge, wie sie ja wohl im Leben keiner Frau fehlen. Wenn ich nicht zugriff, geschah's deshalb, – weil ich nicht mußte. Nur wo ich ein Unentrinnbares fühlte, kam es mir in Betracht. Zu wem es mich nicht zuwarf, zu dem konnte ich nimmermehr gehen. Ich konnte immer nur Wege gehen, die ich geschoben wurde. Unentrinnbar mußte es sein.
Eines Tages trat mein Bruder in mein Zimmer und sagte: »Du, ich muß dir einen interessanten Menschen vorstellen.«
Ich lag auf dem Sofa und gähnte. »Ich interessiere mich nicht für ›interessante Menschen‹.«
»Seit du die Affäre mit dem Türken gehabt hast, bist du unausstehlich geworden.«
»Er war kein Türke«, sagte ich. »Er war ein Araber. Das sind die Feinde der Türken.«