Nach allem, was sie bis jetzt von uns hier draußen gesehen hatten, war dies ja auch nicht weiter zu verwundern.

Das wurde bald anders!

An einem der ersten Tage der Belagerung überflog ich wiederum die Südküste der Schantung-Halbinsel, um nach feindlichen Schiffen und besonders nach feindlichen Truppenlandungen Ausschau zu halten. Die Küste war wie ausgestorben, auch nicht das geringste war zu sehen gewesen. Ganz beruhigt, daß wir von dieser Seite aus sicher waren, flog ich nach Hause zurück. Nur so nebenbei ging ich an diesem Abend noch auf das Gouvernement, um einem Kameraden Guten Tag zu sagen. Zufällig traf ich hier mit dem Chef des Stabes zusammen, der große Eile hatte, da er eine wichtige Sitzung beim Gouverneur für einen Augenblick verließ, um sich ein Buch zu holen.

Im Vorbeigehen rief er mir noch zu: „Na, Plüschow, sind Sie wieder mal geflogen?”

„Jawohl”, sagte ich, „ich komme eben zurück. Ich habe mehrere Stunden lang die Küste nach feindlichen Truppenlandungen abgesucht, habe aber nichts vom Feinde gesehen.”

Ich sehe noch heute das überraschte Gesicht unseres Chefs.

„Was? Die Küste sind Sie abgeflogen, und das sagen Sie erst jetzt? Wir sitzen seit zwei Stunden und beraten, wie wir die großen Truppenlandungen in der Dsin-Dsia-Kou-Bucht, die uns heute durch unsere Kundschafter gemeldet wurden, abwehren können. Und Sie kommen gerade daher und können so einwandfreie Meldung bringen? Nun aber hinein zum Gouverneur und Ihre Beobachtung gemeldet!”

Mit einigen Worten konnte nun die ganze Beratung erledigt werden. Die Kundschafter-Aussagen waren selbstverständlich erfunden.

Ich aber war froh; die Ehre und das Ansehen der Fliegerei hatte ich gerettet!

Und nun begann für mich die schwerste, aber auch schönste Fliegerzeit.