Ich begriff noch nicht, oder ich wollte nicht begreifen.

„Ich glaubte, dies sei vorüber,“ sagte ich.

„Glaubst Du, daß etwas je vorüber sein kann?“ war die Antwort. Und sie fügte hinzu:

„Vielleicht kann das kleine Wesen, das kommt, das thun, was nichts anderes kann.“

An dieses kurze Gespräch dachte ich oft, und ich suchte vergebens, es mit dem ungetrübten Glück in Einklang zu bringen, das wir in dem Sommer, der vergangen war, genossen hatten. War es möglich, daß meine Frau in dem Sonnenschein des Glücks, der ihrem ganzen Wesen die Färbung gab, den Keim zu einem Unglück verbarg, das sich über unser ganzes Leben senken sollte? War das möglich? Lebte sie zwei Leben? Konnte sie mitten im Sonnenschein leben und zugleich fühlen, daß die Nacht nahe war? Oder gehörte die Ahnung der Furcht, die sie jetzt zeigte, bloß jener Art von Phantasie an, die eine Folge ihres Zustandes war?

Ich versuchte mich mit der letzteren Alternative zu beruhigen, aber es wollte mir nicht recht gelingen: und mehr und mehr begann ich, das ganze Leben meiner Frau in einem neuen und anderen Lichte zu sehen, demselben, das sie schließlich ganz einhüllen sollte.

Ich kann das ganz neue Gefühl der Zärtlichkeit nicht beschreiben, das durch diese Gedanken, die ich nicht einmal in Worte zu kleiden vermag, in mir erwachte. Und ich wagte kaum das, was ich vor meinen Augen sah, zu glauben, als alles glücklich verlief und meine Frau nach schwerem Kampfe sich langsam zu erholen begann, nachdem sie einem zarten Wesen das Leben geschenkt, zu dem sie von allem Anfang an Worte sprach, die kein Anderer hören durfte.

Aber das Mädchen kam nie. Anstatt ihrer war ein Knabe gekommen, der den Namen Sven erhielt.

Zweiter Teil

1.