Bevor ich es hindern konnte, hatte sie meine linke Hand ergriffen und sie geküßt, und als ich versuchte, sie zurückzuziehen, hielt sie sie fest und küßte sie abermals, da wo der Ringfinger war.

Es lag eine Macht in ihrem Gefühl und ihrer Person, als sie diese Worte sagte, die mich beinahe verwirrte. Stumm nahm ich sie in meine Arme und küßte sie mit dem Gefühl, daß ich zum ersten Male meine Braut küßte. Und ich wußte mit ihr, daß die Erde keine größere Seligkeit barg.

6.

Sven hatte einen Spielkameraden gefunden, und das war ein Ereignis in seinem kleinen Leben. Denn früher hatte er nur mit den großen Brüdern gespielt. Nun war dieser Spielkamerad ein paar Monate jünger als Sven, und überdies war der Spielkamerad ein Mädchen. All dies war etwas sehr Neues und Entzückendes, und in dieser Zeit hatte Sven viel mit Mama zu besprechen.

Die kleine Martha war mit ihrem Papa und ihrer Mama hinaus aufs Land gezogen, und im Anfange hatten sie und Sven einander aus der Entfernung betrachtet. Martha war ein kleines, unbeschreiblich süßes Mädchen mit roten, frischen Wangen, klaren, blauen Augen und langem, lockigem Haar, das beinahe so wie Svens eigenes war. Und es dauerte nicht sehr lange, so kam sie eines Tages und setzte sich in die Nähe von Sven und betrachtete neugierig, was er vor hatte.

Sven war gewohnt, für sich allein zu spielen, und er hatte ein Spiel, das ihn sehr unterhielt und eigentlich ganz leicht faßlich war. Es bestand darin, daß er hinausging und sich auf eine Wiese setzte. Da betrachtete er mit dem größten Interesse alles, was auf dem nächsten Fleckchen Erde um ihn vorging. Da waren Ameisen, die auf Grashalme kletterten, ein Schmetterling, der sich auf eine Blume setzte und dann auf weißen Flügeln weiter in die Sonne flatterte, ein Hirschkäfer, der auf den Rücken gefallen war und umgedreht werden mußte, um weiter kriechen zu können, oder ein paar Vögelchen, die zwischen den Erdhügelchen umherhüpften und sich nicht von dem Kinde stören ließen, wenn sie für sich oder ihre Jungen Futter suchten. Oder er saß auch ganz einfach da und pflückte Grashalme um sich ab und ließ sie grübelnd und untersuchend durch seine Finger gleiten, und wenn er die Hand voll hatte, warf er sie alle fort und begann neue auszureißen. Das nannte Sven selbst „im grünen Gras spielen“ und davon konnte er lange erzählen, wenn er das Spiel unterbrach und zu Mama hineinlief, um über die Entdeckungen, die er gemacht hatte, zu berichten. Dem guckte nun die kleine Martha zu, und schließlich fragte sie Sven, was er mache.

„Siehst Du nicht, daß ich im grünen Gras spiele?“ sagte Sven.

Und er machte vor Verwunderung große Augen.

Nein, das verstand Martha gar nicht. Aber da Sven sich so lange damit beschäftigte, nahm sie an, daß es etwas unbeschreiblich Unterhaltendes sein mußte, und darum setzte sie sich neben ihn. Und die beiden Kinder rissen Gras aus und beobachteten Ameisen und kamen sich dabei so nahe, daß, als sie fortgingen, sie einander bei der Hand hielten und meinten, sie könnten sich gar nie trennen.

Ein paar Tage später saß Sven drinnen bei Mama und sprach von Martha. Jetzt sprach er nicht mehr von Gras und Blumen oder Vögeln und Schmetterlingen. Jetzt erzählte er nur, was Martha gesagt und was Martha gethan hatte, und wie gut sie sich mit einander unterhielten.