Lamberg dementiert diese Nachricht mit dem Hinweise, daß ihn die Zeitung zum Reisegefährten Saint-Germains in Afrika mache, „zu einer Zeit, wo Herr von Belmar aus Genua an einen Freund in Livorno schrieb, er wolle nach Wien gehen, um den Prinzen Ferdinand von Lobkowitz[75] wiederzusehen, dessen Bekanntschaft er 1745 in London gemacht hatte.“

Schreiben des Grafen Lamberg an Opiz[76]

„Herr von Saint-Germain hat ziemlich lange in Paris gelebt und das allgemeine Gespräch gebildet. Er behauptete tatsächlich, vierhundert Jahre alt zu sein. Ich war sehr gespannt, ihn zu sehen. Eines Tages traf ich ihn bei der verstorbenen Prinzessin von Talmond. Ich fühlte ihm auf den Zahn und hörte ihm aufmerksam zu. Er schien mir sehr kenntnisreich und sehr unterhaltend. Abends erzählte ich von der zufälligen Begegnung in einem Hause, wo ich zur Nacht speiste. Ich sagte, ich hätte den berühmten Grafen von Saint-Germain gesehen. Man fragte mich, ob er wirklich 400 Jahre alt sei, wie er behaupte. Ich entgegnete kalt: „Ich glaube, er übertreibt. Er sieht nicht älter aus als 200 Jahre.“ Im übrigen empfiehlt sich dieser berühmte Abenteurer, der einen guten Teil seines Lebens mit der Leichtgläubigkeit der Menschen gespielt zu haben scheint, durch seine Kenntnisse und Talente. Die Eigenartigkeit ist durchaus nicht sein einziger Vorzug; man täte ihm Unrecht mit der Annahme, daß sein Ruf nur darauf beruht. Seine Reisen und Forschungen würden eigenartiges und nützliches Material für einen Schriftsteller liefern, der über sichere Nachrichten verfügt.“

Aus Lambergs „Kritischen, moralischen und politischen Briefen“[77]

Cagliostro[78] ist undurchdringlich und ebenso eigenartig wie der Graf von Saint-Germain, dessen Schüler er sein soll, wenn er auch seinem Meister an Talenten und Genie weit nachsteht. Dieser verdankte seine Berühmtheit seinem Wissen; jener verdankt sie dem Glück und dem Ränkespiel: Mundus vult decipi[79].

Epigramm des Grafen Lamberg auf Saint-Germain[80]

Dreihundert Jahre bin ich für die Welt.

Zweihundert zähle ich für meine Freunde.

Beim Trinken bin ich fünfzig Jahre alt.

Bei Iris sind es fünfundzwanzig bloß.