Hermann, der sie dem Boten abgenommen hatte, öffnete das beigegebene parfümierte Couvert.

"Mit herzlichem Glückwunsch von Emil Pohlenz nebst Braut", las er von der kleinen Elfenbeinkarte ab.

"Liebe Tante." Mit einer komisch sein sollenden Verbeugung überreichte er das Bouquet, dessen lautester und unermüdlicher Bewunderer.

Therese beobachtete ihn still.

Nachdem die Angriffskräfte auf die Kuchenberge erschöpft waren und auch die Unterhaltung über Wetter, Pferde, Kuchenbacken und den neuesten Raubmord auf St. Pauli ins Stocken kam, schlug Hermann einen kleinen Skat vor. Er sah wohl, daß die lange Zeit bis zum Abendessen sonst unerfüllbare Anforderungen an die geselligen Talente eines jeden stellen würde.

Die drei Herren zogen sich zum Spiel ins Nebenzimmer zurück. Der
Cigarrenschrank wurde geöffnet, und Therese stellte einige Flaschen
Löwenbier zur Hand.

Die Damen vertrieben sich die Zeit mit Häkeln, Albumbesehen und
Küchengesprächen. Versiegten diese Quellen, waren die Fehler und
Thorheiten der Nachbarinnen eine ergiebige Fundgrube interessantesten
Unterhaltungsstoffes.

Die Krämersfrau war nun schon dreimal in vierzehn Tagen ins Theater gegangen. Eine Mutter von zwei kleinen Kindern hätte doch wahrhaftig andere Pflichten.

Die aus der zweiten Etage, die immer so vornehm that, kaufte neulich, Tante Tille hatte es mit ihren eigenen tauben Ohren gehört, für einen ganzen Pfennig Korinthen. Daß die Person sich nicht schämte. "Und dabei thut solch Volk, als ständen sie mit'n Bürgermeister auf Du und Du."

Und als nun Frau Jürgens die "Behnsch" erwähnte, geriet Frau Caroline in eine kreiselnde Beweglichkeit.