Nachdem man noch eine Viertelstunde über das Glück der Ehe im allgemeinen und die Vorteile einer Verbindung Wittfoth und Pohlenz im besondern mehr oder weniger sentimentale Betrachtungen angestellt hatte, mußte Frau Caroline doch bitten, sie nicht schon heute zu diesem inhaltsschweren Schritt zu drängen. Acht Wochen Bedenkzeit möge er ihr gestatten, dann wolle sie sich endgiltig entscheiden, und, wie gesagt, sie wisse die Ehre zu schätzen.

Herr Pohlenz wollte durchaus nicht drängen. Acht Wochen wäre zwar eine lange Zeit, "wenn es sich um das Glück eines Lebens handelt". Hierbei unterzog er seinen Cylinder von allen Seiten einer so genauen Besichtigung, als überlegte er, ob derselbe auch diese Prüfungszeit überstehen würde.

Aber es sei auch sein Grundsatz, betonte er, nichts ohne reifliche
Ueberlegung zu thun. Kopf und Herz seien ihm immer, so zu sagen, wie
Mann und Frau vorgekommen, und der Mann wäre denn doch immer "derjenige,
welcher".

Diese Bemerkung, so geistreich sie in seinen Augen auch war, war doch immerhin für einen Freier etwas ungeschickt, und er suchte den Eindruck durch einen kurzen Verlegenheitshusten zu verwischen.

Frau Caroline bestellte noch, es fiel ihr gerade ein, "an alles muß man selbst denken", ein Gros Perlmutterknöpfe, kleinste Nummer. Dann trennte man sich, nachdem Herr Pohlenz noch einige andere Muster ohne Erfolg angestellt hatte, mit verbindlichem Händedruck.

Der vertröstete Freier hatte noch nicht den Schlag seiner Droschke geöffnet, als auch schon Frau Caroline hinter seinem Rücken ihre Rechte heftig an den Falten ihres Wollkleides scheuerte.

In diese kalte, feuchte Hand sollte sie die ihre legen, für immer?

Jedenfalls würde sie sich das in den acht Wochen noch gründlich überlegen.

Die beiden Mädchen, die schon lange über Herrn Pohlenzens spekulatives
Herz so gut im Klaren waren wie die teilnahmsvolle Nachbarschaft, hatten
keinen Augenblick Zweifel darüber gehegt, welche geschäftlichen
Angelegenheiten die Tante und Prinzipalin mit dem Stadtreisenden von
Müller und Lenze in der Staatsstube zu verhandeln hatte.

Mimi wollte sich "tot" lachen, als die Wittfoth auf die fragenden Blicke der Mädchen mit einem nicht mißzuverstehenden Lächeln deren Vermutungen betätigte.