"Nein, es ist nicht mein Beruf."

"Sollten Sie sich nicht täuschen? Ihre Hedda Gabler gestern—"

"Die habe ich gespielt, mich ganz hineingespielt, und so las ich sie Ihnen gestern überzeugend. Die liegt mir auch, Ibsen überhaupt. Aber sehen Sie, es treibt mich nicht, hält mich nicht. Ich habe mir selbst den Beweis geben wollen, dass ich etwas könne, etwas war es auch Trotz gegen meine Familie. Aber ich habe kein Theaterblut. Und der Kunst muss man ganz gehören, mit allen Fasern, wenn man ihr dienen und sich nicht dabei verlieren will."

Er schwieg einen Augenblick.

"Aber Sie sind doch eine Künstlernatur," sagte er dann.

"Weil ich eine Seele habe?"

"Sie haben doch auch Talent."

"Ja, ein paar Talente. Ich singe, schauspielere. Und weil ich eine lebendige Seele habe, kommt auch etwas dabei heraus. Andere würden zufrieden damit sein und sich ein bescheidenes Häuschen mit allerlei Ruhmesflitter daraus aufbauen. Ich aber will kein Häuschen, ich will ein Haus mit einem stolzen Turm darauf. Und dazu reicht's nicht."

"Sie sind zu bescheiden."

"Ich kenne mich und richte mich ein.—Und dann hab ich's ja nicht nötig," setzte sie leiser hinzu.