1.
Randers war eines Tages in Rosenhagen aufgetaucht. Rosenhagen gehörte zu Rixdorf, beide bildeten eigentlich ein Dorf, waren nur fünf Minuten von einander entfernt.
Rosenhagen bestand nur aus dem Krug und einigen Tagelöhnerkaten. In Rixdorf gab es kein Wirtshaus. So hatte Randers im Krug Quartier genommen. Der Wirt war nicht auf Logierbesuch eingerichtet und hatte sich gesträubt. Aber Randers hatte ihn überredet, mit Worten und mit Geld.
Die Rosenhagener wunderten sich und die Rixdorfer wunderten sich. Was wollte er hier bei ihnen?
Seeluft geniessen und baden, sagte Randers.
Das konnte er hier ja haben, aus erster Hand, reine unverfälschte Seeluft. Baden müsse er freilich so, von freiem Strand aus. Badekarren gäbe es hier nicht. Nur die eine herrschaftliche.
Bisher war noch kein Mensch auf den Einfall gekommen, die Seeluft gerade in Rosenhagen geniessen zu wollen. Dazu waren doch die vielen Bäder da, längs der ganzen Küste.
Von Rosenhagen führte ein schmaler Feldweg bis hart ans hochgelegene Ufer, schlängelte sich eine Strecke daran hin und führte dann allmählich zum flachen Strand hinab. Randers benutzte diesen Weg nicht oft, er machte gewöhnlich den Umweg über Rixdorf, ging durch den Park, wozu er sich die Erlaubnis erbeten hatte, verfolgte den Fusssteig durch das grosse, zum Schlossgut gehörende Roggenfeld bis zum kleinen Aussichtspavillon, den der Graf auf der hier steil abfallenden Uferhöhe erbaut hatte, und stieg dann eine bequeme Treppe zum Strand hinab.
Jeden Morgen, mit Sonnenaufgang, nahm Randers ein Bad. Er hatte sich eine schöne, steinfreie Stelle ausgesucht. Er musste freilich etwas weit waten, bis ihm das Wasser zum Schwimmen reichte. Aber dann war es herrlich! So ganz allein im weiten Umkreis, höchstens in der Ferne ein weisses Segel, das die See mit ihm teilte. Nur die Wellen entbehrte er, die rollenden Nordseewellen, diese erfrischenden Sturzbäder. Und dies reine absolute Naturgefühl, sich so den spielenden Wellen überlassen zu können, Welle mit den Wellen sein, oder der stählende Kampf mit ihnen. Hier war es meistens ruhig und glatt, nur bei anhaltendem Ostwind gab es einmal etwas Wellengang. Doch der Ostwind wollte sich nicht einstellen. Aber erquicklich war es doch, dieses frühe Morgenbad, wenn die See in der ersten Sonne flimmerte und glitzerte.
Tagsüber ging er viel spazieren, gewöhnlich in der Richtung durch den
Rixdorfer Park. Der Weg war so viel hübscher als nach der Rosenhagener
Seite hinaus; und er musste doch die Komtesse einmal sehen!