Augen wie ein Märchen. Nordseeaugen! Das macht das Dänische.
Herrgott, was für ein betrunkener Brief!
Nächstens mehr von Ihrem
R.
3.
Gerd Gerdsen an Randers.
Liebster Doktor!
Hat Ihr Dämon Sie endlich in die Arme einer Aristokratin geführt? Der
Mensch entgeht seinem Schicksal nicht, und Sie sind auf den Adel
zugeschnitten. Vielleicht auch auf den russischen Staatsrat. Alle Ihre
Talente weisen auf den Baron hin, den Lebemann—im feinsten Sinne.
Sie führen doch Tagebuch in Rixdorf? Ich brauche Dokumente. Der Roman des Herrn Dr. phil. Henning Randers wird geschrieben, ein Spiegel für ihn, ein Kuriositätenkabinett für den Leser und eine Kurzweil für seinen Verfasser. Aber Dokumente, Dokumente! Meine Imagination, meine Psychologie allein reicht Ihnen gegenüber nicht aus, Sie müssen mir helfen, Sie zu greifen. Sie lasen mir mal Verse vor. Haben Sie noch davon? Haben Sie sonst etwas Schriftliches? Confessions?
Übrigens, was den russischen Staatsrat anbelangt, erinnern Sie sich noch unseres Gesprächs vor Ihrer Abreise? Sie wollten einen Artikel über Alexander den Dritten schreiben und sahen in der Ferne einen Orden. Es war ein klein wenig Ernst bei dem Scherz. Sie hatten Sympathieen für den unglücklichen Autokraten, und nicht nur für den Gemahl der dänischen Dagmar. Wie einträchtig stand auf Ihrem Schreibtisch die Photographie der kaiserlichen Familie, Alexander an seinem Arbeitstisch, im Vordergrund die Kaiserin und ihre Schwester, wie einträchtig stand dieses Bild neben dem Porträt der—Dolgorucki!