In dieser schlanken Mädchengestalt vor ihm war das Strenge und Stolze durch die Anmut der Jugend gemildert. Wie entzückend sah sie in dem leichten, hellblauen Kleid aus. Der Ärmel war leicht zurückgefallen, als sie die Hand nach den Rosen ausstreckte, und der weisse Sammet ihres bei aller Fülle doch schlanken Armes leuchtete mit warmem, matten Glanz.

Fides bat ihn, ihren Gartenhut zu holen. Ob sie nicht einen Spaziergang machen wollten.

Er ging, den Hut zu holen, der auf dem Esstisch lag. Er zögerte drinnen einen Augenblick und verschlang vom Fenster aus ihre Gestalt mit den Blicken.

In der Veranda fand er seine Mütze, eine schon etwas mitgenommene, einst
weisse Strandmütze. Er befestigte das schmale lederne Sturmband unterm
Kinn, obgleich das schönste Wetter war und nur ein ganz schwaches
Lüftchen wehte.

"Warum tragen Sie eigentlich immer dieses Sturmband?" fragte sie. "Ich finde es hässlich."

"O," sagte er leicht errötend. "Mögen Sie es nicht? Ich finde, es sieht so—männlich aus."

Er fand nicht gleich einen andern Ausdruck.

Sie lachte.

"Was ist denn da männliches dabei?"

"Das hat mir als Kind schon immer so imponiert," erklärte er. "Bei den
Kapitänen und nachher bei den Militärs. Ich denke dabei immer an einen
Mann im Sturm. Es ist gleichsam, als sässe nun mit der Mütze auch der
Kopf fester. So, nun kommt her, ich biete euch die Stirn!"