Sie hatte die Führung, ich folgte wie ein Lämmlein der Hirtin.

Die Orgel. Die "liebe Gemeinde" (es war eine wirklich hübsche Sopranstimme da, die über diesem misstönigen Gemecker, Gebrumm und Gepfeife schwebte, wie eine weisse Möwe über ein schmutziges missfarbiges Stoppelfeld), die weissen schmucklosen Wände, die Sonne draussen und die Sonne drinnen, in langen, breiten Streifen über diesen alten und jungen Köpfen. Das schwarze Brett mit den grossen weissen Nummern der Choräle. Die kleine, schwarze Kanzel mit dem kleinen, weisshaarigen Pastor Weidenbusch.—

Mir wurde ganz heimatlich. Wie lange bin ich nicht in einer Dorfkirche gewesen.

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Man sage nicht, dass in unserer protestantischen Kirche die Poesie keinen Platz hat. In den kalten grossen Stadtkirchen mit ihrem nüchternen Prunk, ja, da ist sie erfroren, elendiglich erfroren. Aber unsere Dorfkirchen. Selbst diese kahlen, getünchten Wände atmen Poesie, diese alten rohen Balken, von Schwalbenschmutz gefleckt und mit einem vergessenen Spinngewebe in irgend einem Winkel.

Was ist Poesie? Sie geht nicht von den Dingen aus, sie geht von den
Menschen aus. Und welche Poesie sollte von dem städtischen
Kirchenpublikum (ja Publikum!) ausgehen?

Aber hier, diese schlichten einfachen Ackerbürger, diese abgerackerten Tagelöhner, Männer und Weiber, die ihres Herzens Einfalt und Bedürfnis hierher führt, Sonntag für Sonntag; diese ganze Atmosphäre von Arbeit, Genügsamkeit, Einfalt und Himmelshoffnung, das ist es, das teilt sich diesen schmucklosen Wänden mit und leiht ihnen einen rührenden Glanz. Die Poesie kommt mit den Leuten in die Kirche, fühlt sich wohl hier und bleibt, auch wenn der Küster abschliesst.

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Auf dem Lande verstehe ich, wie man fromm sein kann, es wieder werden kann. Auch auf dem Meere verstehe ich es. Auch im Kriege. Aber da ist die Zeit oft zu kurz dazu.

Und auf dem Sterbebett.