Allerlei Spiele vertrieben indessen die Zeit. Man spielte Haschen, von Baum zu Baum und Topf schlagen. Wie gerufen fanden sich ein paar Straßenmusikanten vor dem Hause ein; man holte sie herein und improvisierte auf kurz geschorenem Rasen ein lustiges Tänzchen zu keineswegs wohlklingender Musik. Aber wer tanzen will, dem ist leicht geblasen. Die geschmeichelten Künstler befleißigten sich, ihr Bestes zu leisten, und namentlich die Klarinette gab sich alle Mühe, in diesem herrschaftlichen Kreise ehrenvoll zu bestehen.
Als sich die Leute nach drei Tänzen wieder verabschieden wollten, wollte man sie nicht weglassen. Noch einmal! noch einmal! Die kleinen Tänzer waren unersättlich.
Da besprach sich Frau Elisabeth mit den Musikanten, daß sie für eine hinreichende Entschädigung noch ein halbes Stündchen bleiben und sich zum Schluß an die Spitze einer Polonaise stellen möchten, die sich mit brennenden Papierlaternen unter den leuchtenden Lampiongewinden durch den Garten bewegen sollte. Als sie einwilligten, entstand allgemeiner Jubel, und man war einig, ein so schönes Fest noch nicht gefeiert zu haben.
Nun waren die anderen Knaben fast alle schlechte Tänzer. Auch Lux stand hierin hinter Manuel zurück. Dieser war der einzige, der eigentlich tanzen konnte, während die Kunst der anderen nicht viel mehr als ein munteres Hüpfen war. Das genügte ja nun für diese kleine Gesellschaft vollkommen. Aber die Dämchen waren doch froh, wenn der bewunderte Spanier ihnen seine Aufmerksamkeit schenkte. Die schien nun freilich einzig dem Geburtstagskind zu gelten. Schon längst hatte Lux das mit Verdruß bemerkt. Gerade den Spielkameraden gegenüber ärgerte es ihn. Was mußten sie denken. Seine Versuche, Manuel aus dem Sattel zu heben, schlugen alle fehl; Blanche schien nur für diesen da zu sein, oder sie war zu schwach oder zu ungewandt, sich seinem Einfluß zu entziehen.
Das nächtliche Geständnis Manuels hatte Lux die Augen geöffnet und seinen eigenen Gefühlen für Blanche die Unbefangenheit geraubt. Er hatte sie auch lieb, Manuel sollte sie nicht für sich allein haben.
Und wie hübsch war Blanche heute. So war sie ihm noch nie erschienen. Er hätte sie bei der Hand nehmen mögen wie früher: komm Blanche, wir wollen allein spielen. Alle die anderen Mädchen beachtete er nicht. Da war eine Größere mit stillen, klugen Augen, die immer Lux suchten. Aber er merkte es nicht und sandte seine Blicke nach Blanche aus.
Mit einem Male war Blanche verschwunden. Wo war sie? Und jetzt fehlte auch Manuel.
Vergeblich sah er sich nach den beiden um; die Gesellschaft war groß genug, daß sie sich ungesehen hatten entfernen können. Lux wollte Gewißheit haben und suchte den ganzen Garten ab. Schon gab er die Hoffnung auf, sie zu finden, als sein Fuß stockte.
Waren das nicht Stimmen?
Aus dem Nußgebüsch am Bach?