Sie schrieb ihm gütig zurück und bestellte ihm Grüße von Blanche und auch von Lux, der noch nicht selbst schreiben dürfe, aber es ginge ihm besser, und er dächte nur noch freundlich an ihn.

Ob sie recht daran tat, den Kindern Manuels Grüße vorzuenthalten? Sie überlegte lange und kam zu dem Entschlusse, daß es besser sei. Blanche schloß sich eben in alter Weise wieder an Lux an, in harmloser Kameradschaft; das wollte sie nicht stören.

Es war in den ersten Tagen des September, daß Lux zum ersten Male in den Garten gehen durfte. Er war völlig wiederhergestellt. Aber er trug noch die Farbe des Krankenzimmers. Doch der Spätsommer war so schön, wie er selten war, und die Sonne hatte noch Kraft genug, kranke Wangen zu bräunen. Die Bäume standen still und früchteschwer, auf den Beeten dufteten Goldlack und Levkojen, und Dalien und Georginen blühten üppig und farbenprächtig am Wege.

Hand in Hand gingen Lux und Blanche auf den sonnigen Steigen durch all die reife, satte Sommerpracht zu ihrem Lieblingsplätzchen. Hier schwellten am Strauch die grünen Haselnüsse. Kaum merklich stockte ihr Fuß, und sie gingen verstummend vorüber.

Das Bächlein, das im Hochsommer oft ein armseliges Rinnsal gewesen, lief wasserreich vorbei und lockte sie. Sie setzten sich auf die Stufen, die hinabführten, und sahen bis auf den klaren Grund. Da lag, halb übersandet, ein verrostetes, offenes Taschenmesser. Sie sahen es beide zugleich.

»Das ist es!« rief Blanche und reckte den Hals noch weiter vor.

»Soll ich es holen?« fragte sie.

»Ich darf es nicht!« sagte Lux. »Aber laß es doch. Was willst du damit?«

»Nein, ich hole es.«

Sie legte Schuhe und Strümpfe ab, und watete in das klare Wasser hinein; es ging ihr fast bis an die Knie. Sie streifte die Ärmel hoch, als sie sich nach dem Messer bückte, und ihr goldenes Haar fiel ihr wie ein goldener Schleier vors Gesicht.