Eigene Rosen. Wie die doch gleich
Anders leuchten. Mein Sohn, du bist reich.
Kein besseres Omen kann dir blühen
Als dieses helle Rosenglühen.
Das Leben bietet der Blumen nicht viel,
Giebt uns meist nur blattlosen Stiel,
Alles, was wir von außen bekommen,
Ist leicht in die hohle Hand genommen.
Aber was von innen heraus
Wächst und blüht, das machts aus;
Aus Eigenem die Kränze binden,
Die uns die Tage hold umwinden.
Nennst du nichts im Leben dein
Als einen vollen Herzensschrein,
Wirst du nach äußerm Glanz nicht fragen
Und fröhlich eigene Rosen tragen.
Das ist nun kurz mein Taufgebet,
Wie es mir durch die Seele geht,
Während der Priester mit frommen Worten
Dir öffnet der Kirche ehrwürdige Pforten.
Frömmigkeit ist eine edle Frucht,
Wächst draußen und in der Kirche Zucht.
Sei fromm, mein Sohn, in Nehmen und Geben,
Suche Gott und ehre das Leben.
Die Mutter
(Ein Traum)
Es war im Garten. Fröhliche Gesellen
Umgaben mich. Wir tranken. Und in hellen
Plätschernden Bächen sprudelten die Worte
Von jungen Lippen. Aber nah der Pforte,
In einer einsamen, erhöhten Laube,
Saß meine Mutter. Eine reife Traube
Lag vor ihr auf dem Teller, und sie aß
Und hörte nicht auf uns. Wie sie so saß,
Wegbreit nur von uns und doch abgeschieden,
Einsam in ihres Alters blassem Frieden,
Zwang mir's den Blick magisch dahin, doch konnte
Ich nicht vom Platz, den Jugend übersonnte
Und laute Lust umklang. Auf einmal schwand
Das alles, und es langte eine Hand,
Alt, rührend welk und kühl, wie aus der Erde
An meinem Bettrand auf mit Bittgebärde:
Willst du mir deine Hand nicht geben? Ach,
Kaum dass ich gab, und weinend wurd ich wach.
Steernkiker