Trüber Tag
Ein feuchtes Wehen wühlt im Laub und streut
Ins nasse Gras ringsum den Tropfenfall,
Und wo noch gestern laute Lust, träumt heut
Schwermütiges Schweigen überall.
Die frühen Rosen frieren so im Wind.
Gestern, als heißer Mittag darauf lag,
Brach ich die schönste dir. Wo bist du, Kind?
Wo ist die Rose? Wo der helle Tag?
Auch morgen, wenn die Sonne wieder scheint,
Und ganz voll Duft mein kleiner Garten ist,
Ruft dich mein Herz und weint
Und weiß nicht, wo du bist.
Vergebliche Bitte
Maiblumen, deinem Herzen nah,
Blühten an deinem Kleide.
Ich bat: „Schenk mir den Frühling da.“
„Nein,“ riefst du mir zu Leide.
„Es war nur Spiel, war nur zum Scherz,
Dass ich mich damit schmückte.“
Und wie ein Stich ging mir's durchs Herz,
Als deine Hand die Blumen schnell
Vom Busen riss und auf der Stell
Zerpflückte, zerpflückte.
Was gabst du mir die Blumen nicht,
Mir, dem die Jugend schwindet,
Und der auf deinem Angesicht
Ihr letztes Glück noch findet?
Mir war's, als so umsonst ich warb
Um diese Frühlingsspenden,
Als ob nun mit den Blumen starb
Auch meiner Jugend goldner Tag,
Und seine letzte Blüte lag
Zerpflückt von deinen Händen.
Liebesgestammel
Es ist alles nicht auszusagen,
Was ich um dich gelitten.
Du musst meine schlaflosen Nächte fragen,
Da ich mit Beten um dich gestritten,
Mit Wünschen und Sehnen und Hoffen viel
Trieb ein thörichtes Liebesspiel.
Und wenn ich dann an deiner Seite
Wunderseliges tief gespürt,
Und, wie auf seinem Teppichgebreite
Des Moslems Stirn die Erde berührt,
Vor dir anbetend die Seele geneigt,
Die sich so gern in Stolz versteigt,
Da ist mir so recht in Wonnen und Bangen
Das Wesen der Liebe aufgegangen.
So willenlos, keusch, himmelsrein
In eine Seele versunken sein,
Holdeste Zweieinigkeit
Ohne Sinnenwiderstreit.