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Weint nicht um ihn. Aus seinen Wunden
Seht ihr die leuchtenden Rosen blühn?
Kränze des jauchzenden Lebens gebunden
Aus dem Frühlingsgeschenk seiner Wunden,
Und ihr ehrt und feiert ihn.
Licht war sein Herz und Licht seine Seele,
Ja! war sein Wort zu Leben und Tod.
Tapfer, den Tag und den Tanz in der Seele,
Galt seine Liebe dem Morgenrot.
Rausch der Kraft und jauchzendes Hoffen
Lieh seinem Lied den Adlerflug,
Der, bevor ihn der Blitz getroffen,
Klingend ans Thor der Zukunft schlug.
Seht, und die goldenen Angeln erklangen,
Und ein Licht und ein Glanz ward frei.
Die zu den Quellen des Lebens drangen,
Zählen den Priestern des Lebens bei.
Weint nicht um ihn. Aus seinen Wunden
Seht die leuchtenden Rosen blühn.
Kränze des jauchzenden Lebens gebunden
Aus dem Frühlingsgeschenk seiner Wunden,
Und ihr ehrt und feiert ihn.
Prolog zur Böcklin-Gedenkfeier
der Gesellschaft hamburgischer Kunstfreunde
(Fräulein Minna Persoon gewidmet.)
Ein Großer starb: Böcklin. Vor wenig Tagen
Gab man der Erde ihren Anteil wieder —
Und legte Rosen auf den Hügel nieder
Und dunklen Lorbeer. Leises Flügelschlagen
Der Stunden, die die stille Stätte streifen —
Und jedem Flügelschlag entblättert sacht
Sich eine Rose, die vielleicht am Strauch
Des Lebens letzten roten Gruß gelacht
Dem, dessen Tod auch ihr Tod ward. Ein Hauch
Vergänglichkeit um dieses Grab geweht,
Um das der dauerhafte Lorbeer steht.