Einsamer Mohn glühte am Grabenrand,
Ein Falter zog um ihn zitternde Ringe.
Ein Trauermantel. Sonnig lag das Land,
Der einzige Schatten war die schwarze Schwinge
Des dunklen Gauklers dort, der um die Glut
Des roten Mohns, ein traumhaft Wesen, flog.
Und mählich schien es mir, als ob das Blut
Der Blume aus den Wangen wich; sie zog
Erblassend, welkend, sich in sich zusammen,
Doch immer noch um die erloschnen Flammen
Zuckten die schwarzen Flügel, bis ein Wind,
Der übern Weg lief, sie ins Feld entführte.
War ich vom Licht, vom Flügelflimmern blind?
War es ein Schlaf, ein Traum, der mich berührte,
Erzeugt in jenem Purpurkelch, der jetzt
Wie vorher flammte, sommerheißer Glut?
Ein Nichts. Ein Spuk. Blendwerk. Und doch, zuletzt,
Es blieb ein leises Frösteln mir im Blut,
Und als ich abends mit den Freunden trank,
Die heiterm Tag ein heitres Ende machten,
Sprach ich von Herbst und Tod; sie aber lachten
Und stießen fröhlich an. Ein Glas zersprang.
Tag und Nacht
Einen dichtesten, dunkelsten Schleier trug
Die Nacht. Quält alte Schuld und Not
Sie immer noch? Auf ihrem Flug,
Was sie mit leisem Flügel schlug,
Stand alles starr und tot.
Was kümmert es den jungen Tag,
Was die schweigsame Schwester beschwert,
Da er in holdem Schlummer lag;
Er fragt der Weinenden nicht nach,
Die seiner nie begehrt.
Auf falterfarbigen Flügeln hebt
Er freudejauchzend sich hinauf,
Und wie er über den Wiesen schwebt,
Ein jedes Blümchen, das da lebt,
Lächelt zu ihm auf.
Nur der trübe Bach klagt leis
Zwischen Schilf und schwarzem Moor.
Gab ihm die Nacht ihr Geheimnis preis?
Er flüstert und wispert, als ob er was weiß,
Und raschelt und raunt im Rohr.
Das Birkenwäldchen
Inmitten öder Heide träumt
Ein Birkenwäldchen, sumpfumsäumt.
Die stillen Wasser blinken,
Daraus die Wurzeln trinken.
Hier geht sobald kein Menschenfuß
Und klingt kein Sommervogelgruß,
Hier ist in ihrer Klause
Die Einsamkeit zu Hause.
Und nächtens stellt bei Mondenschein
Ein Wispern sich und Flüstern ein,
Und weiße Schatten heben
Gespenstisch sich ins Leben.