Da schob der König den Kram heftig von sich und stand auf. »Räume fort, ich will gar nichts mit dir zu tun haben.«

Heriman öffnete zum zweitenmal seinen Beutel und packte ruhig ein. »Wenn der Herr König meint, daß die Erfurter Lämmern gleich sind, welche sich scheren lassen und dann noch aus der Hand, die sie geschoren hat, das Futter nehmen, so kennt er seine treuen Bürger nicht. Bei uns lebt mehr als einer, der einen Racheschwur gegen den Grafen Gerhard getan hat, weil dieser ein raubgieriger und ungerechter Mann ist.«

»Jetzt verstehe ich,« versetzte der König sich setzend. »Das an dem Dolch ist ja wohl Byzantiner Arbeit, laß sehen.« Und Heriman packte wieder aus. »Wie kommt's, daß man den Mann nicht mit Weiden geschnürt hat, der, wie du sagst, für den Räuber Immo das Schwert zog, und dem der Räuber, wie du sagst, Treue erwies. Mich wundert's, daß einer, der des Königs Frieden so frech gebrochen hat, frei in den Gassen wandelt.«

»Die Wächter des Erzbischofs waren Stadtfremde,« entgegnete Heriman argwöhnisch nach dem König blickend, »und die Erfurter haben vielleicht nicht sehr nach dem Einheimischen gesucht. Auch hat der Bürger eine Gewohnheit. Bevor er im Zwielicht das Schwert zieht, so streicht er sein Haar, wenn er es lang trägt, über das Gesicht; vielleicht birgt er auch seine Glieder in einem wendischen Kittel.« Er trat an den Tisch, bereit die Steine wieder einzupacken.

»Laß nur liegen,« sprach der König, »ich sehe, dein Haar ist kurz genug. Sagtest du nicht, daß sich die Dienstleute des Erzbischofs zu eurem Schaden in der Stadt mehren?«

»Herr, die Stadt wird dabei groß, und wenn auch schlechtes Volk unter den Zugewanderten ist, so muß man doch zugeben, der Stiftsvogt des Mainzers hält über seine Leute strenges Gericht. Nur sorgen bei uns die Alten, welche Bescheidenheit haben, daß die Königsmacht dadurch kleiner wird, und daß sie vielleicht einmal ganz schwindet.«

»Denken viele wie du, daß sie lieber dem König dienen wollen als dem Erzbischof?«

»Das Mehrteil wird sagen, es kommt darauf an, wie der König ist und wie der Erzbischof ist. Dennoch, wenn der König eine starke Hand hat und sein Vogt billig denkt, so wird der Bürger freudiger einem Helden dienen, der ein Schwert trägt, als einem geschorenen Haupte.«

»Ihr selbst sitzt am liebsten daheim; aber ihr hört es gern, wenn der Spielmann vor euch singt, wie die Knie des Königs im Drange der Schlacht wund gerieben wurden,« sagte der König mit trübem Lächeln. »Gemächlicher ist dein Herdsitz, Heriman, als der Sitz deines Königs, welcher das ganze Jahr im Sattel reitet. Geh in Frieden mit deinen Waren, dies hier habe ich für die Königin ausgewählt, laß dir den Preis von meinem Kämmerer zahlen. Und vernimm noch eins, was ich dir in deiner Redeweise vertrauen will. Die bescheidenen Leute in Erfurt und anderswo meinen, der Mann handelt unweise, welcher mit unbedecktem Haupt auf der Straße läuft, wenn der Hagel herunterschlägt. Besser täte er, sein Antlitz zu bergen, bis das Wetter vorübergerauscht ist.«