»Frage den Kanzler, wenn du das wissen willst,« versetzte Immo. »In meiner Heimat lobt man den Boten nicht, der gegen Fremde von seiner Sendung schwatzt.«

»Wo ist deine Heimat?«

»Ein Thüring bin ich, und freundlichen Gruß habe ich von den Mannen König Heinrichs gehofft, denn Schwertgenosse will ich ihnen werden gegen den Markgrafen.«

»Schlägt dein Arm so scharf als deine Zunge behende ist, so mag der König dich wohl gebrauchen,« versetzte der andere gleichgültig, »doch damit wir sehen, ob du die Wahrheit sprichst, so weise uns den Brief.«

»Das denke ich nicht zu tun,« entgegnete Immo unwillig, »mein Auftrag lautet, den Brief dem Kanzler in seine eigene Hand zu geben; dich aber ersuche ich um Geleit, damit ich ihn finde.«

»Ich will den Brief sehen,« wiederholte der Kriegsmann seinem Wächter. Dieser winkte den Kriegern und faßte den Arm Immos, aber der Starke entwand sich ihm, sprang zur Seite und zog sein Schwert. »Wer mir das Pergament entreißt, den mache ich zum toten Mann,« rief er zornig.

Auch Bernhard zog sein Schwert. »Auf ihn, schlagt den Frechen nieder.«

»Halt,« rief der Befehlshaber, »bergt das Eisen, auch du, Fremdling. Ich fordere von dir, daß du mir den Brief zeigst, ich gelobe dir, daß ich ihn zurückgebe und dich, wenn du willst, zu dem Kanzler geleiten lasse.« Er faßte an den Knopf seines Schwertes, Immo gab dem ruhigen Befehl zögernd nach. Er zog eine kleine Tasche hervor, die er an einem Riemen unter dem Gewande trug, und hielt ein geschlossenes Pergament in die Höhe.

»Gib her, damit ich sehe, ob es ein Brief ist.«

»Schwerlich wirst du die Aufschrift zu lesen vermögen, auch wenn du der Buchstaben kundig bist, denn die Außenseite ist leer.«