»Ist denn auch gewiß, daß Fink diese abgeschmackten Mährchen erfunden, und daß Wohlfart darum gewußt hat?« frug Sabine schüchtern.

»An Finks Betheiligung ist kein Zweifel. Der Streich sieht ihm zu ähnlich. Das ist der leichtsinnige frevelhafte Sinn, der nichts achtet, nicht einmal den Ruf des Freundes.«

Sabine lehnte sich an den Stuhl und nickte mechanisch mit dem Haupt. Ja, so war er. Wieder einmal empörte sich ihr Herz gegen ihn. »O wie traurig!« sagte sie vor sich hin. »Aber Wohlfart ist unschuldig, Traugott, das weiß ich bestimmt. Eine solche Lüge ist nicht in seinem Wesen.«

»Ich werde es morgen erfahren,« sagte der Kaufmann. »Um seinetwillen wünsche ich, daß du Recht hast.«

Am folgenden Morgen ging der Prinzipal durch das vordere Comtoir und rief Anton zu sich in die kleine Hinterstube. Da dies selten geschah, so folgte Anton mit der Ahnung, daß irgend etwas Unheimliches heranziehe. Der Prinzipal schloß hinter ihm die Thür, setzte sich recht ernsthaft vor ihm auf den Lederstuhl und begann mit strenger Miene: »Lieber Wohlfart, ich halte es für meine Pflicht, mit Ihnen über einige Gerüchte zu sprechen, die sich in der Stadt verbreitet haben. Man hält Sie für einen reichen jungen Mann von geheimnißvoller Herkunft, erzählt sich, daß Sie große Besitzungen in Amerika haben und daß vornehme Personen sich im Stillen lebhaft für Sie interessiren. Ich setze voraus, daß auch Ihnen diese Gerüchte zu Ohren gekommen sind, und wünsche zu wissen, was Sie gethan haben, dieselben zu widerlegen.«

Anton erwiederte erstaunt, aber mit Entschlossenheit: »Ich weiß nichts von einem solchen Gerücht, ich habe einige Male von Fremden sonderbare Anspielungen auf mein Vermögen gehört, ich habe stets widersprochen.«

»Haben Sie mit der nöthigen Entschiedenheit widersprochen?« frug der Kaufmann streng.

»Ich glaube, ja,« antwortete Anton ehrlich.

»Es wäre an dem müßigen Geschwätz wenig gelegen,« fuhr der Prinzipal fort, »wenn nicht Ihr eigener Charakter dadurch verdächtigt würde. Denn die Welt wird geneigt sein, anzunehmen, daß Sie selbst aus irgend einem Grunde bei der Verbreitung dieses Gerüchts thätig gewesen sind; für das Renommée eines Kaufmanns aber giebt es keinen schlimmeren Argwohn, als den, daß er durch niedrige Mittel sich einen Credit geben will, den zu beanspruchen er kein Recht hat.«