»Wie immer seit siebzehn Jahren, seit ich dich heimgeführt habe,« antwortete der Gemahl mit einer Artigkeit, die vom Herzen kam.
»Heut sind es siebzehn Jahr,« rief die Baronin, »sie sind vergangen, wie ein Sommertag. Wir sind sehr glücklich gewesen, Oscar.« Sie schmiegte sich an seinen Arm und sah dankend zu ihm auf.
»Gewesen?« frug der Freiherr, »ich denke, wir sind's noch. Und ich sehe nicht ein, weßhalb es nicht weiter so fortgehen soll.«
»Berufe es nicht,« bat die Baronin. »Mir ist manchmal, als könnte so viel Sonnenschein nicht ewig währen; ich möchte demüthig entbehren und fasten, um den Neid des Schicksals zu versöhnen.«
»Nun,« sagte der Freiherr gutmüthig, »das Schicksal läßt uns auch nicht ungezaust. Die Donnerwetter fehlen uns nicht, aber diese kleine Hand erhebt sich zur Beschwörung und sie ziehen vorüber. Hast du nicht Aerger genug mit dem Haushalt, den Tollheiten der Kinder, und zuweilen mit deinem Tyrannen, daß du dir mehr ersehnst?«
»Du lieber Tyrann!« rief die Baronin. »Dir danke ich dies Glück. Und wie fühle ich es! Nach siebzehn Jahren bin ich immer noch stolz darauf, einen so stattlichen Hausherrn zu haben, ein so schönes Schloß und ein so großes Gut, wo jeder Fußtritt des Bodens auch mir gehört. Als du mich, das arme Fräulein, mit meinen Fähnchen und dem Schmuckkästchen, das ich der Gnade der Herrschaften verdanke, in dein Haus führtest, da erst lernte ich erkennen, welche Seligkeit es ist, im eigenen Hause als Herrin zu regieren, und dem Willen keines Andern zu gehorchen, als dem des geliebten Mannes.«
»Du hast doch Vieles aufgegeben um meinetwillen,« sagte der Freiherr. »Oft habe ich gefürchtet, daß unser Landleben dir, dem Günstling der verstorbenen Prinzeß, zu einsam und klein erscheinen würde.«
»Dort war ich Dienerin, hier bin ich Herrin,« sagte die Baronin lachend. »Außer meiner Toilette hatte ich nichts, was mir selbst gehörte. Immer in den langweiligen Stuben der Hoffräulein umherziehen, an allen Abenden zu der letzten Rolle verurtheilt sein, und dabei die Angst haben, daß das immer so fortgehen soll, bis man alt wird in ewigen Zerstreuungen, ohne eigenes Leben! Du weißt, daß mich das oft traurig gemacht hat. Hier sind die Ueberzüge unserer Möbeln nicht von schwerem Seidenstoff und in unserm Saal steht keine Tafel aus Malachit, aber was im Hause ist, gehört mir.« Sie schlang ihren Arm um den Freiherrn: »Du gehörst mir, die Kinder, das Schloß, unsere silbernen Armleuchter.«
»Die neuen sind nur Composition,« warf der Freiherr ein.
»Das sieht Niemand,« erwiederte seine Gemahlin fröhlich. »Und wenn ich das Porcellan ansehe, und am Rande dein und mein Wappen erblicke, so schmecken mir unsere zwei Schüsseln zehnmal so gut, als die vielen Gänge der Hofküche. Und vollends die großen Hoftage und unsere Marschallstafel, wo Jeder den Andern zum Verzweifeln genau kannte, und Jeder dem Andern zum Verzweifeln gleichgültig war.«