»Segen über Ihre Zukunft,« sagte Sabine am ganzen Körper bebend. »Wenn Sie eine Stunde hatten, wo Sie gern unter uns waren, so denken Sie in der Fremde daran. Wenn Sie in dem deutschen Bürgerhaus, in dem Thun meines Bruders je etwas gefunden haben, was Ihnen ehrenwerth erschien, o so denken Sie in der Fremde daran. In dem großartigen Leben, das Sie erwartet, unter den mächtigen Versuchungen, in dem wilden Kampf, den Sie führen werden, denken Sie niemals gering von unserer Art zu sein.« Sie hielt die Rechte über sein Haupt, wie eine Mutter, welche angstvoll den scheidenden Liebling segnet.
Fink hielt ihre Hand fest. Beide sahen einander stumm in die Augen, Beide mit erblichenen Wangen. Endlich rief Fink mit tiefem Tonfall seiner melodischen Stimme: »Leben Sie wohl!«
»Leben Sie wohl!« sagte das Mädchen leise, so leise, daß Fink kaum die Worte verstand. Er schritt langsam über die Thürschwelle, sie sah ihm unverwandt nach, wie man einer Erscheinung nachsieht. —
Als der Kaufmann nach dem Schluß des Geschäfts in das Zimmer seiner Schwester trat, flog ihm Sabine entgegen, drückte sich fest an ihn und legte ihren Kopf an seine Brust. »Was hast du, Mädchen?« frug der Bruder besorgt und strich ihr das Haar von der feuchten Stirn.
»Fink war bei mir,« rief Sabine sich erhebend, »ich habe mit ihm gesprochen.«
»Worüber? Hat er dir einen Antrag gemacht? Ist er unartig gewesen?« frug der Kaufmann scherzend.
»Er hat mir einen Antrag gemacht,« sagte Sabine.
Der Kaufmann trat erschrocken zurück. »Und du, meine Schwester?«
»Ich habe gethan, was du von mir erwarten konntest; ich werde ihn nicht wiedersehen.« Dabei stürzten ihr die Thränen aus den Augen, sie ergriff die Hand des Bruders und küßte sie: »Sei nicht böse, daß ich weine, ich bin noch angegriffen, es wird vorübergehen.« —