»Es scheint nicht arg zu sein,« antwortete der Prinzipal.

»Wenn Sie ein Rad und ein Paar Pferde hinüberschaffen wollen, können Sie das Ding abholen,« bemerkte der Lieutnant nachlässig. »Unsere Leute hatten den ganzen Tag große Lust dazu. Sie hätten gern nachgesehen, ob etwas Trinkbares darin ist. Wir haben aber Befehl, die Grenze nicht zu überschreiten. Sonst ist's eine Kleinigkeit, den Wagen herüber zu schaffen, wenn der commandirende Offizier Ihnen erlaubt, die Posten zu passiren, und wenn Sie mit diesen da fertig werden.« Dabei wies er auf einen Haufen Bauern, welche jenseit der Brücke außerhalb Schußweite hinter einigen verkrüppelten Weiden lagerten und einen bewaffneten Mann als Posten auf die Landstraße vorgestellt hatten.

»Wir wollen den Wagen holen, wenn der commandirende Offizier erlaubt,« sagte der Prinzipal, »ich hoffe, es wird möglich sein, mit den Leuten dort zu unterhandeln.«

Und Anton konnte sich nicht enthalten zu murmeln: »Den ganzen Tag haben die Herren ein paar Tausend Thaler auf der Landstraße liegen lassen, sie hätten Zeit genug gehabt, den Wagen für uns zurückzuschaffen.«

»Man muß keine unbilligen Forderungen an das Heer machen,« antwortete der Kaufmann lächelnd, »wir wollen zufrieden sein, wenn sie uns erlauben, unser Eigenthum aus den Händen der Bauern zu holen.« Die Reisenden eilten zum Rittmeister zurück, und der Kaufmann theilte diesem seinen Wunsch mit.

»Wenn Sie Pferde und Menschen finden, so habe ich nichts dagegen,« erwiederte dieser.

Sogleich wurden die Fuhrleute zusammengerufen, der Prinzipal frug, wer ihn mit den Pferden begleiten wolle, er sei gut für den Schaden an den Pferden. Nach einigem Kratzen des Kopfes und einigem Schütteln der Hüte erklärten Mehrere ihre Bereitwilligkeit. Schnell wurden vier Pferde angeschirrt, ein Kinderschlitten des Schenkwirths hervorgeholt, ein Rad und einige Hebebäume darauf gelegt, und die kleine Caravane zog der Brücke zu, verfolgt von beifälligen Scherzen der Soldaten und begleitet von einigen Offizieren, welche an dem Feldzuge so viel Theilnahme verriethen, als sich mit ihrer kriegerischen Würde irgend vertrug.

An der Brücke sagte der Rittmeister: »Ich wünsche guten Erfolg, leider bin ich außer Stand, Ihnen meine Mannschaft zur Hülfe mitzugeben.«

»Es ist besser so,« antwortete der Prinzipal grüßend, »wir wollen als friedliche Leute unsere Waaren wiederholen und fürchten die Herren dort nicht, wollen sie aber auch nicht reizen. Haben Sie die Güte, Herr Wohlfart, Ihre Pistolen zurückzulassen, wir müssen den Bewaffneten zeigen, daß uns der Kriegsapparat nichts angeht.«

Anton hatte seine Pistolen in die Rocktasche gesteckt, wo sie wieder trotzig hervorsahen, er gab sie jetzt einem Schützen, den der Lieutnant von Rothsattel herbeiwinkte. So zogen sie über die Brücke. Am Ende der Grenzbrücke parirte der Lieutnant unwillig sein Pferd und brummte: »Diese Pfeffersäcke rücken eher ein als wir,« und der Rittmeister rief ihnen noch nach: »Sollten Ihre Personen in Gefahr kommen, so werde ich es für keine Ueberschreitung meiner Ordre halten, wenn ich Ihnen Lieutnant von Rothsattel mit Mannschaft zu Hülfe schicke.« Der Lieutnant stob zurück und commandirte den Zug, welcher in einiger Entfernung hielt, sehr kampflustig: »Still gesessen!« worauf er wieder bis an das Ende der Brücke vorsprengte und mit großem Interesse und kriegerischer Ungeduld den Civilisten nachsah. Zu seiner und des Kriegsheers Ehre muß an dieser Stelle bekannt werden, daß sowohl er, als sein Zug den Einrückenden warmen Empfang und ernste Unbequemlichkeiten herbeiwünschten, damit sie selbst das Recht erhielten, sich hineinzumengen und ein wenig einzuhauen.