Eben war Herr Braun eingetreten, der Agent eines befreundeten Hauses in Hamburg, und hatte aus seiner Tasche eine Anzahl Kaffeproben hervorgeholt. Während diese vom Prinzipal besichtigt wurden, gesticulirte der kleine behende Agent mit seinem goldenen Stockknopf in der Nähe von Antons Augen umher und berichtete von einem Seesturme und dem Schaden, den er angerichtet haben sollte. Da knarrte die Thür, und eine ärmlich gekleidete Frau trat herein. Herr Specht erhob sich und frug: »Was wollen Sie?« Man hörte klägliche Töne, welche mit dem Gepiep eines kranken Huhns Aehnlichkeit hatten, der Kaufmann griff schnell in die Tasche und das Piepen verwandelte sich in ein behagliches Glucksen. »Haushohe Wellen,« ruft der Agent. — »Gott vergelt es tausendmal,« gluckst die Frau. — »Macht 550 Mark zehn Schilling,« sagt Herr Baumann zum Prinzipal.
Jetzt wird die Thür heftig aufgerissen, ein starker Mann, mit einem Geldsacke unterm Arm, tritt ein, er setzt den Geldsack triumphirend auf den Marmortisch und ruft mit dem Ausdruck eines Mannes, der eine gute That vollbringt: »Hier bin ich, und hier ist Geld!« Sogleich erhebt sich Herr Jordan und sagt vertraulich: »Guten Morgen, Herr Stephan, wie geht's in Wolfsburg?« — »Ein furchtbares Loch,« klagt Herr Braun. — »Wo?« frägt Fink. — »Es ist keine schlechte Stadt, aber wenig Nahrung,« sagt Herr Stephan. — »Natürlich im Rumpfe des Schiffes,« antwortet Herr Braun. — »Fünfundsiebzig Sack Cuba,« bemerkt der Prinzipal als Antwort auf die Frage eines Commis.
Während nun Herr Stephan die Neuigkeiten seiner Stadt erzählt, darunter die traurige Geschichte eines Lehrjungen, der sich mit Hülfe einer Schlüsselbüchse erschossen hat, und während Jordan diese nothwendige Einleitung zu dem bevorstehenden Einkauf geduldig durchmacht, öffnet sich wieder die Thür, ein Bedienter tritt ein und ein Jude aus Brody. Der Diener bringt dem Kaufmann die Einladung zu einem Diner, und der Jude schleicht an die Ecke, wo Fink sitzt.
»Wozu kommt Ihr wieder, Schmeie Tinkeles?« frägt Fink kalt, »ich habe Euch schon gesagt, daß wir kein Geschäft mit Euch machen wollen.«
»Kein Geschäft?« ruft der unglückliche Tinkeles krächzend in abscheulichem Deutsch, so daß Anton ihn nur mit Mühe versteht. »Solche Wolle, wie ich bringe, ist noch nicht gewesen im Lande.«
»Wie hoch der Centner?« frägt Fink schreibend, ohne den Juden anzusehen.
»Was ich doch habe gesagt,« antwortete der Jude.
»Ihr seid ein Narr,« sagt Fink, »fort mit Euch!«
»Kein Lootse kann ihm helfen,« sagt Herr Braun.
»Meine Empfehlung an Herrn Commerzienrath,« sagt der Kaufmann.