»Ihnen hat er das gesagt?« rief Bernhard. »Wie kann der Freiherr einem Mann, wie Sie sind, einen Auftrag geben?«

»Schweigen Sie still,« entgegnete Veitel rauh, »es ist jetzt keine Zeit für Ihr Gerede. Hören Sie meine Worte. Der Baron hat Ihrem Vater mit seinem Ehrenwort die Sicherheit für zwanzigtausend Thaler versprochen und er kann ihm diese Sicherheit nicht geben, weil er dasselbe Document einem Andern verkauft hat. Er hat sein Wort gebrochen und verlangt jetzt von Ihrem Vater, daß er auf seine gute Sicherheit verzichtet. Können Sie zureden, daß Ihr Vater zwanzigtausend Thaler verliert, so thun Sie es.«

Bernhard zitterte, daß ihm die Hände flogen. »Sie sind ein Lügner,« rief er. »Jedes Wort, das aus Ihrem Munde kommt, ist Betrug und Heuchelei und Hinterlist.«

»Schweigen Sie,« wiederholte Veitel in seiner Fieberangst. »Sie sollen Ihrem Vater nicht reden zu Schaden. Dem Baron ist nicht zu helfen, er ist eine Fliege, welche sich die Flügel am Licht verbrannt hat, er kann nur noch kriechen. Und wenn der Ehrenthal als Narr einem schlechten Rath folgt, den Sie ihm geben, weil Sie nichts verstehen, so kann er doch den Freiherrn nicht erhalten auf seinem Gut. Wenn er ihn nicht wirft, so thut's ein Anderer. Ich habe keinen Vortheil dabei, wenn ich Ihnen das sage,« fuhr er unruhig fort und horchte nach einem Geräusch vor dem Hause, »ich thu' es nur aus Anhänglichkeit an Ihre Familie.«

Bernhard rang nach Luft. »Gehen Sie hinaus,« rief er endlich, »es ist Alles Betrug und Lüge auf dieser Welt.«

»Ich hole den Baron und Ehrenthal herauf,« sprach Veitel und stürzte hinaus.

Laut scholl in dem Hausflur die zornige Stimme Ehrenthals: »Ich werde gehen zu den Gerichten, ich werde Sie anzeigen und Ihre Intriguen.« Veitel riß die Thür auf. Auf dem Lederstuhl saß der Freiherr und verbarg das Gesicht mit der Hand, vor ihm drohte Ehrenthal im Zorn zitternd, auf dem Pult stand die Cassette des Freiherrn mit den verhängnißvollen Schuldscheinen und der Hypothek. Veitel rief in das Zimmer: »Hören Sie auf, Ehrenthal, Ihr Bernhard ist sehr krank, er liegt oben allein und ruft nach Ihnen, und ruft nach dem Herrn Baron, er will Sie Beide haben an sein Bett.«

»Was ist das?« schrie Ehrenthal, »spielen Sie Intrigue hinter meinem Rücken auch mit meinem Sohn?«

»Haben Sie ihm die neue Hypothek gezeigt, die Sie für ihn bestellt haben?« frug Veitel den Freiherrn in fliegender Eile.