orientieren, kommt ursprünglich aus der Baukunst und wurde zuerst von Kirchen gebraucht, die nach altchristlichem Gebrauch so gebaut wurden, daß der Chor nach Osten zeigte. Eine solche nach oriens gerichtete Kirche hieß und heißt orientiert. Nach einer orientierten Kirche konnte sich jeder leicht in Bezug auf die Himmelsrichtungen unterrichten, weshalb man bald „sich oder jemanden orientieren‟ gebrauchte für informieren, zurechtweisen, belehren u. s. w. Aus dem Umstande, daß mittelalterliche Kirchen entweder im ganzen oder gar nur in einzelnen Teilen nicht genau orientiert sind, hat ein Baumeister unserer Tage geschlossen, man habe die Orientierung der betreffenden Kirchen zwar nach der Magnetnadel vorgenommen, aber die Mißweisung außer Acht gelassen.
Orkan, der. So heißt jetzt jeder Sturm, der sich über das gewöhnliche Maß des Sturmes hinaus steigert, ja im Binnenlande ist man mit der Bezeichnung orkanartiger Sturm schon bei der Hand, wenn irgendwo einmal ein Glasdach abgedeckt wird; ursprünglich waren aber nur die besonders schweren westindischen Stürme, die Cyclone, damit gemeint, denn aus dem karaibischen Meer haben die Spanier das Wort mitgebracht; spanisch huracan, welches die dem Ursprünglichen am nächsten kommende Form sein dürfte; italienisch uracano, französisch ouragan, niederländisch orkaan. Die Engländer haben das anlautende h stehen lassen und sagen hurricane. Bei uns ist es erst in der neuhochdeutschen Zeit in Aufnahme gekommen.
Orlogschiff, das, s. Kriegsschiff.
Orlopbalken, Orlop, Overlop, s. Deck.
Ort, der. Es gibt fünf verschiedene Bedeutungen von Ort: 1. Schusterahle, 2. Maß, 3. eine Münze, 4. eine Landspitze, 5. ein Platz. Sie kommen aber alle fünf in dem einen Begriff Spitze zusammen, spitzer Punkt, Anfang, Ecke, Winkel, Rand, Platz; einem Begriff, der sich an der See in den Bezeichnungen Darserort, Brüsterort, Friedrichsort erhalten hat und der in dem althochdeutschen Ort und dem mittelniederdeutschen oort noch ausschließlich lag; wie denn auch im Altfriesischen oerd für Schwertspitze gebraucht ward, und in Groningen noch heute oort die Messerspitze heißt, wie im Angelsächsischen ord ganz allgemein Waffenspitze. In Bezug auf die Bedeutungen Maß und Gewicht und Münze sagt Kluge, 276: „Zunächst ist diese Bedeutung von dem viereckigen durch ein Kreuz in vier Orten, d. h. Ecken geteilten Münzen ausgegangen und erst dann auf Maß und Gewicht übertragen worden.‟ — Die Bezeichnung Örtje, Örtchen für die kleine ostfriesische Münze, im Werte von 1-1/4 alten hannoverschen Pfennigen, ist in dem Spottgedicht verewigt, das Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Offizier der hannoverschen Garnison in Aurich auf Ostfriesland gemacht hat. — „Wen gy von ein Land na dat ander segeln willen, und gy alßden juw Gissing willen maken, so möcht gy erst den Huck offt Ort des Landes, dewars, von juw aff gegeben, ehr und bevor gy de Glese kehren,‟ „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, 1673. Daß Ort ein langes o hat, geht schon aus den obigen alten Formen hervor, wird aber bestätigt durch das „Seebuch‟ von Manson, Lübeck 1735: „Vons West Ende von Femern nach dem Inlauff von Kiel ist es Westen zum Süden 5 Meilen, die Förde ist groß und weit, ihr lasset das Casteel, Friedrichs Ohrt im Aufsegeln am Stührbord, man gehet dann das Förde auf nach der Stadt zu. — Von Kieler-Föhrde biß Eckern-Förde ist es Nord-Nordwesten 2 Meilen ist gleichfals eine grosse weite Förde, man segelt hier für die Stadt gleiches Nahmens.‟
ösen heißt schöpfen, ausschöpfen, besonders das Wasser aus einem Boot mit einem Schöpfer, Ösfaß genannt, ausschöpfen. Schon Kilian übersetzt oozen mit haurire, und von einer Form dieses Zeitworts stammt es auch, indem es aus haustum weitergebildet ist mit geschwundener Aspiration. Das beweisen die Formen mit au, in der Edda ausa, gießen; auster das Wasser das sich am Boden eines Fahrzeuges sammelt, eigentlich das Auszuschöpfende; aust-skota, das Schöpfgefäß. Es beweisen es auch die Formen die bis auf heute das h des Anlautes behalten haben. Wangeroogisch und überhaupt neuniederdeutsch hozen, neuniederländisch hoosen = schöpfen, hoosvat = gieter, Gießer. — Friesisch eaze, mittelst des easfet. „Wol beslein, zei Anke de scipper, it scip forlern, ind it easfet bihalden.‟ Bei der Lüneburger Salzgewinnung heißt oseammer, osammer der Schöpfeimer und der Solschöpfer führt den Namen oser. Von Bremen bis Wangerooge heißt der unterste Rand des Daches von dem das Regenwasser auf die Erde tröpfelt oese und oesing, also Dachtraufe. Kurz im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt ösen schöpfen oder gießen; „een öse, dar dat segel mit genettet werdt.‟ Und auch im Oberdeutschen heißt Oese das Schöpfgefäß; nicht zu verwechseln mit Oese = Ohr, Henkel, Griff, denn das kommt gemäß einem bei Willmans I. 85 auseinandergesetzten Lautverschiebungsgesetze vom gothischen auso, das = Ohr ist. — Man sagt, wenn einer etwas mutwillig umkommen läßt: „er verast es;‟ das muß eigentlich heißen: „er veröst es‟, gießt es aus, verschüttet es.
P.
P. and O. Abkürzung für Peninsular and Oriental Line, eine Schiffahrtslinie die ihre Verbindungen mit der Peninsula d. h. Spanien und Portugal und mit dem Orient d. h. mit Ostindien etc. etc. unterhält. Im Abkürzen sind die Engländer groß; Gib für Gibraltar und Frisco für Francisco und Hock für „Hochheimer‟ kann man auf jedem englischen Kriegsschiffe hören, und in ganz Indien, China und Japan hört man nie anders als von P. and O. = Dampfern reden, wenn man von dieser englischen Linie und ihren Schiffen spricht.
p. m. s. a. m.
Pageie, die, heißt nach Roeding (1794) bei den Negern an der afrikanischen Küste und auch bei den Indianern eine Art Riemen mit breitem Blatt. Wort und Sache scheinen zu uns auf dem Wege über Frankreich gekommen zu sein, französisch pagaye, Zeitwort pagayer, und der Ruderer mit diesem Werkzeug heißt pagayeur. Die Pageie wird nicht auf den Dollbord aufgelegt, sondern der an der Bordwand des Bootes sitzende pagayeur rudert aus freier Hand, die Pageie auf und nieder haltend. „L'effet de la Pagaye est plus considérable que celui de l'aviron, mais sa manoeuvre exige plus de force et fatigue davantage.‟ (Bonnefoux et Paris, marine à voiles 542.)