Q.

Quarantäne, die, die Zeit die ein Schiff ohne Praktika liegen bleiben muß, weil es aus pestverdächtigem Hafen kommt und daher auf seinen Gesundheitszustand hin beobachtet werden muß. Wie lange solches zu geschehen hat richtet sich nach landesüblichem Gebrauche und den geltenden gesetzlichen Bestimmungen. Ursprünglich wollte man auf alle Fälle sicher gehen und nahm vierzig Tage an. Daß es gerade so viele waren hatte einen ganz bestimmten Grund. Man dachte an die vierzig Tage der Passion, der Leidenszeit Christi. Die hieß zuerst italienisch quarantana, französisch quarantaine, von quaranta, contrahirt aus quadraginta. Von dem kirchlichen Gebrauch hat die Seemannssprache das Wort übernommen.

Quarter-Deck, das, nennt man zuweilen noch — das Wort ist aber im Aussterben begriffen und wird mehr und mehr durch das reindeutsche Achterdeck verdrängt — den Teil des Oberdecks hinter dem Großmast bis zum Kreuzmast. Er darf von den Mannschaften nur dienstlich und in angemessener Haltung betreten werden. Auch zwischen denen, für die das Achterdeck vorbehalten ist, wird noch ein Unterschied gemacht, indem im Hafen oder unter Dampf die Steuerbordseite, unter Segel die Luvseite des Achterdecks noch besonders dem Kommandanten vorbehalten bleibt. Quarterdeck kam uns über England aus dem Süden; italienisch quartiere, spanisch quartel, französisch quartier, das abgeteilte Viertel eines Raumes, in weiterem Sinne ein Raum ohne Rücksicht auf genaues Maß, eine Wohnung, Zimmer, Gemach, Quartier, Unterkunft. Bei Stadtviertel ist bekanntlich ebenso wenig von mathematischer oder arithmetischem Viertel die Rede, wie Schiller an Mathematik dachte, da er von der „größeren Hälfte‟ seiner Schuld sprach, oder wie wir, wenn wir vom „Kreise‟ Bütow oder Lauenburg reden.

Quartier, das, jetzt gewöhnlich „das Quartier der Wache.‟ Es gibt Schönwetterzeiten, da der Offizier der Wache mit einiger Sicherheit voraussehen kann, daß während der nächsten Stunden ein Manöver mit der ganzen Wache nicht nötig werden wird. Dann läßt er einen Teil der Wache sich im Zeug an Deck unter ein Sonnensegel zum Schlafen niederlegen, und nur die notwendigsten Leute zum Rudergehen, Postenstehen, Loggen und anderen laufenden Arbeiten bleiben wach. Das ist das Quartier der Wache; es braucht nicht gerade ein Viertel derselben zu sein, es bedeutet überhaupt keine bestimmte Anzahl, sondern nur „Teil‟ oder „Abteilung‟ oder „abgeteilte Leute‟. Der Begriff Quartier darf um so weniger arithmetisch gefaßt werden als er überhaupt ursprünglich garnichts mit Arithmetik zu tun hatte. Denn früher hieß die ganze Wache Quartier. „Um acht Uhr zog ein neues Quartier auf‟, „um zwölf Uhr wurde das alte Quartier abgelöst.‟ Es hieß also, da man „vier auf, vier ab‟ oder „Wache um Wache‟ ging, die Hälfte der ganzen Mannschaft Quartier. Quartier war völlig gleichbedeutend mit Wache. Das erklärt sich sprachlich ganz einfach. Von dem Stamm var, wehren, hüten, wachen, kommt das gothische vards, angelsächsisch ward (vergl. Steward), althochdeutsch wart, mittelhochdeutsch wart = Wart, Wärter, Hüter, Wächter; davon das spanische guardia; durch deutsche Kriegsleute dahin getragen hat wart dasselbe Schicksal gehabt wie wera, das zu guerra wurde; guardia nahm im Französischen die Form garde an, Wächter, und gardes, Wache. Statt gardes kam aber bald quart oder le Quart auf. Das fand als quartier seinen Weg ins Niederländische, und von da kehrte das deutsche Wort in fremder Form als Quartier zu uns, in die niederdeutsche Seemannssprache, zurück. Über Quart hat Aubin (1702) Folgendes, da die niederländischen Formen dabei stehen, gewinnt es für uns an Wert und macht die Sache deutlicher. Quart, Gardes, Le Quart. Niederländisch: Quartier, Wagt. C'est l'espace du tems qu'une partie des gens de l'équipage d'un vaisseau veille pour faire le Service tandisque le rest dort. Chaque nation a son quart de différente durée, et même parmi les vaisseaux d'une même nation le quart est inégal: toutefois il est toujours mesuré et déterminé par horloges, chaque horloge étant fixé à une demi-heure. En France dans les vaisseaux du Roi le quart est souvent de huit horloges. Dans les autres vaisseaux il est tantôt de six, tantôt de sept, et quelquefois de huit. A chaque fois qu'on commence et qu'on lève le quart on sonne la cloche pour en avertir l'équipage. On dit, Ce matelot n'a pas fait le quart. Ce Timonier a fait lever le quart un horloge plutôt qu'il ne faloit. En Angleterre le quart est de quatres heures, et en Turquïe de cinq.‟ „Quart. Les gens du Quart. Niederländisch: Quartier, Quartiervolk. Le Capitaine, ou Commandant d'un navire doit faire la division de ses Quarts, et en faire écrire la disposition dans un tableau qu'on atache à la porte de sa chambre, ou au mât d'artimon.‟ „Le premier Quart, ou Quart de tribord. Niederländisch: Eerste wagt, Nagt-wagt, Hoofdtwagt. C'est celui qui est pris le premier, c'est-à-dire, immédiatement après l'aube, ou à l'entrée de la nuit. Ce premier quart est aussi apellé Quart de tribord, et est fait par les Oficiers subalternes en pié, ou par les plus anciens d'entre les subalternes.‟ „Le second Quart est pris aussi-tôt que le premier quart est fini, ce qui arive ordinairement â minuit. Celui-ci se fait presque toujours par les Oficiers subalternes qui sont en second, ou par les moins anciens Oficiers d'entre les subalternes; Quart de babord. Niederländisch Hondtwagt‟, vergl. das deutsche Hundewache. „Quart du jour. Niederländisch de laatste nagt-wagt, Morgen-wagt. C'est celui qui est pris à la fin du second quart, et qui amène le jour, c'est-à-dire que le jour paroît avantque ce quart soit fini.‟ „Prendre le Quart, Niederländisch op de wagt gaan.‟ „Etre de Quart, faire son Quart, de wagt hebben, syn quartier waaken.‟ „Apeller au quart, niederländisch porren, unser purren = wecken.‟ „Au Quart, au Quart. Niederländisch: Quart, Quart, c'est la manière d'apeller ceux dont le tour vient de faire le quart.‟ Dieses Purren geschah auch auf deutschen Schiffen mit dem Rufe: „Quartier, Quartier!‟ Doch wurde dieses Wort nicht bloß gerufen, sondern in der den deutschen Seeleuten eigenen langgezogenen Weise ausgesungen. Und meist begnügte man sich nicht mit den beiden Worten, sondern sang, wie beim Werfen des großen Lothes, einen ganzen Vers, einen Quartiervers. Diese Verse führen in den Gedankengang jener Seeleute ein und zeigen zugleich, welcher Sprache sie sich bedienten. Daher mögen hier ihrer etliche aus der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts eine Stelle finden.

Quarteer, Quarteer, wilt my verstahn,

Ein ander Quarteer mut waken gahn,

Gott vorlehn uns synen Frede,

Glück und beholden Reiß darmede!

Hir fahre wy mit Gott vorheven,

Gott will uns unse Sünd vorgeven,