Ruder, das. 1. Eine Vorrichtung zum Steuern eines Schiffes. 2. Ein Werkzeug zum Fortbewegen eines Bootes. Auf Kriegsschiffen ist nur die erste Bedeutung im Gebrauch, sonst überall im deutschen Sprachgebiet hat sich die zweite im Munde von Seeleuten und Nichtseeleuten erhalten, wiewohl schon zur Zeit der römischen Herrschaft am Rhein Remen oder Riemen (s. d.) vom lateinischen remus herübergenommen wurde. Es wird auch nie gelingen, dem Worte sein Hausrecht im Deutschen zu rauben, dazu war es denn doch zu fest eingewohnt und -gewurzelt als das fremde Wort eindrang. — Indessen hatten Ruder und Remen in einer Wiege gelegen, indem beide von einer indogermanischen Bewegungswurzel abstammen, die in der Form ra, re, er, ar, ro vorkommt und jede Art von Fortbewegung bedeuten kann: stoßen, treiben, schieben, ziehen, rücken. Eine Zeit lang sind die beiden Hand in Hand ihren Weg gegangen und haben sich in der Bedeutung wenig von einander entfernt. Wo sich nachher die Trennung vollzogen hat, läßt sich nicht mehr genau angeben. Es kann aber im Griechischen geschehen sein, so daß eretmos noch für beide die gemeinschaftliche Form darstellte. Das hätten wir uns etwa so vorzustellen. Es gab vom gleichen Stamme wie eretmos ein griechisches Wort, rhyma, Seil, Zugseil, von welcher unser (Leder-) Riemen herkommt. Unter Anlehnung an dieses Fortbewegungsmittel rhyma ward aus eretmos das Fortbewegungsmittel remus gebildet, durch Aphäresis des anlautenden e und Schwund des t. Beide, rhyma und eretmos, waren ja Hilfsmittel, das Schiff fortzubewegen, das Zugseil und der Remen, ja vielleicht die Fortbewegung mit dem Zugseil die ursprüngliche und das Rudern kam erst später auf. Dann hätte man also die alte Bezeichnung der Fortbewegung durch Ziehen („treideln‟ s. d.) für die neue Fortbewegung durch Rudern beibehalten, etwa wie wir jetzt sagen, das Schiff segelt nach Newyork, wiewohl es sich dabei um einen gar keine Segel führenden Dampfer handelt. — Eretmos aber diente nicht nur zur Fortbewegung des Schiffes, sondern auch zum Lenken desselben. Insofern es nun diese letztere Bedeutung hatte, folgte man naturgemäß nicht dem Zuge und Einfluß von rhyma, sondern bildete eretmos selbständig weiter, und zwar auf dem Wege vom Griechischen zum Germanischen, durch Abwerfen (Aphäresis) des e und Abschwächung der Tenuis zur Media, sowie durch Schwund des m und Vertauschung der griechischen mit germanischer Endung, (vorausgesetzt, daß die Weiterentwickelung des Wortes sich nicht schon in vorgriechischer Zeit auf gemeinschaftlicher indogermanischer Wanderung vollzogen hat). Jedenfalls ist das Wort nicht durchs Lateinische, wie remus, sondern durch das gothische rodra, Werkzeug zum Rudern, als ruodar ins Althochdeutsche gegangen. Hier trafen die beiden Vettern wieder zusammen. Und wenn der fremde — remus — sich auch zeitweilig vordrängte, ja sich für das Werkzeug zur Fortbewegung ausschließlich im Gebrauche des Seemanns festsetzte, so hat der einheimische — als „Ruder‟ — sich doch im ganzen Binnenlande behauptet, ja auch bei den Seeleuten als Werkzeug oder Vorrichtung zum Steuern seine Geltung behalten. — Es ist auffallend, wie kurz sich die Isländer ihr Wort für Remen zurecht gemacht haben, sie sagen ar und sind so wieder auf die ursprüngliche Bewegungswurzel zurückgegangen, während doch schon im Sanskrit aritras das Ruder, arita der Ruderer hieß.

rudern, die Tätigkeit, die mit dem Ruder, aber nur in seiner Eigenschaft als Fortbewegungsmittel, ausgeübt wird, (während die Tätigkeit die mit dem Ruder als Lenkungsmittel erfolgt, steuern (s. d.) heißt, daher wird dieses auch im Binnenlande Steuerruder genannt). Aber nur hochdeutsche Leute sagen rudern, was ein niederdeutscher Seemann ist, der sagt rojen. Diese Form hat er sich aus der althochdeutschen oder eher noch der angelsächsischen Form für Ruder, ruodor oder rodor, gebildet. Niederländisch roeijen, englisch to row, isländisch roa; „Bágd er ad róa einni ár,‟ mit einem Remen ist nicht gut rudern, vergl. Lüpkes „Seemannssprüche.‟ Altnordisch róa; „I vindi skal vid höggva, vedri á sjó róa; myrkri vid man spjalla, mörg ern dags augu‟, „Im Winde soll man Holz hauen, bei gutem Wetter in die See rudern, im Finstern mit Weibern kosen; viele Augen hat der Tag.‟ Lüpkes p. 146. Angelsächsisch rôwan. — Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß dem Ruder und rudern wohl auch eine Wurzel ru zugeteilt worden ist, die spalten bedeutet, so daß man daran zu denken hätte, wie das Ruder das Wasser „spaltet‟; indessen ist das doch ein recht nebensächlicher Gedanke (vergl. Ruder), wenn auch im Altkirchenslavischen graba sowohl „ich grabe‟ als auch „ich rudere‟ (grabe in den Wellen) heißt.

Ruderbälle, die, bestehen aus zwei automatisch wirkenden Leinwandkegeln die den Zweck haben, jedem kenntlich zu machen, wie zur Zeit das Ruder liegt. Der eine Ball ist rot, der andere grün. Sie hängen möglichst nach allen Richtungen hin sichtbar, damit man, und das ist das Wichtigste an der Sache, auch auf den anderen Schiffen eines zusammen fahrenden Geschwaders zu jeder Zeit sehen kann, wie der Vorder-, Neben- oder Hintermann mit seinem Ruder manövriert und also wissen kann, wessen man sich von ihm zu versehen hat. Es sollen also Zusammenstöße durch die Ruderbälle vermieden werden.

Rudergat, s. Hennegat.

Ruderjoch, s. Joch.

Ruderpinne, s. Pinne.

Ruderreep, s. Reep.

Rundhölzer, die, sind alle walzenförmigen Hölzer die zur Takelage gehören: Masten, Stengen, Rahen, Spieren, Giekbäume, Gaffeln, Sprieten, Ruten etc. etc. Ein Rundholz braucht um so zu heißen nicht notwendig ein Holz zu sein; auch die eisernen Masten und Rahen gehören im weiteren Sinne zu den Rundhölzern und haben auf den Werften ihren Platz im Rundhölzerschuppen. Hier kommt also mehr das Runde wie das Hölzerne in Betracht.

Rund achtern! rund vorn! lautet das Kommando beim Wenden, das erfolgt, wenn das Schiff so weit durch den Wind gegangen ist, daß man die Rahen oder vielmehr die Segel über den anderen Bug brassen kann, so daß dann die Nock, die vorher hinten war, nach vorne kommt, und umgekehrt. Rund ist nicht mathematisch zu nehmen, sondern so zu verstehen, daß die Rahe sich teilweise um den Mast dreht. In der Handelsmarine heißt das entsprechende Kommando: „Gaan!‟ = gehen.

Rundsel, die, ist der runde Einschnitt im Dollbord in dem die Riemen sich beim Rudern bewegen. Der eigentliche Einschnitt ist zwar nicht rund, aber er ist mit einem runden Metallstück ausgefüttert; daher der Name. Wenn nicht gerudert wird, so wird in den Ausschnitt ein kleines Brett, das Rundselbrett, gesteckt. Das Kommando lautet: „Rundseln dicht‟, weshalb die Rundselbrettchen, wiewohl sie eckig sind, manchmal für die Rundseln selbst fälschlicherweise gehalten worden sind.