Es liegt dieser ganzen Sippe eine Wurzel zu Grunde, die bewegen bedeutet, und zwar „sich biegend, krümmend bewegen.‟ Die gemeinsame Bedeutung der genannten sechs Wörter ist also: etwas Gebogenes, Gekrümmtes, Rundliches, Rundes. Es liegt auf der Hand, daß hieraus sich ein sehr reichhaltiger Wortschatz entwickeln mußte. Nach Dieffenbach kommt daher das kymrische bach, gälisch bac = Haken. Nach Kluge kommt das Wort Bauch von einer Wurzel biegen, (allerdings wohl kaum als „biegsame Stelle‟, sondern eher als „gebogene‟, runde Stelle). Im Niederdeutschen heißt Back der (gekrümmte, gebogene) Rücken. Von der Rundung dürfte auch althochdeutsch bacho, altfranzösisch bacon, englisch bacon, Speckseite, Schinken kommen, (entsprechend Bache das (weibliche) wilde Schwein). Daß Backe noch das ganze Mittelalter hindurch auch in Deutschland Schinken bedeutete, erhellt aus der reizenden Geschichte, die Simrock, Mythologie, 6. Aufl. S. 333 von dem Backen am roten Turm zu Wien erzählt. In einer Urkunde des Königs Jaroslav Jaroslawitsch von Nowgorod (Nogarden) vom Jahre 1269 wird gesagt, daß der lodienman, der Mann der die lodie, das Leichterfahrzeug, führt, für eine Fahrt die Newa auf und ab „enen baken‟ zur Beköstigung haben solle. — Im Angelsächsischen finden wir die Form bäc = dorsum und bäcling = retrorsum. In der Edda bedeutet bakfall das Rückwärtsfallen, die Rückwärtsbewegung des Oberkörpers beim angestrengten Rudern. Im Einzelnen ist zu den genannten sechs Wörtern zu bemerken:

Zu 1. Die Bezeichnung Back für den vordersten Teil des Schiffes ist vielleicht von dem niederdeutschen bek = Schnabel beeinflußt, wegen der Nähe des Schiffsschnabels, des rostrums; doch genügt zur Erklärung ein Hinweis auf die da vorne besonders starke Biegung (s. Bug) des Schiffes. Die Wurzel bleibt überall dieselbe. Auf und unter der Back vor dem Fockmast ist die eigentliche Heimat des Kriegsschiffsmatrosen; hier fühlt er sich frei, hier darf er sich gehen lassen; „hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein‟, wenigstens in der Freizeit.

Zu 2. „Zehn Minuten vor acht Glas, Zeit zu Backen und Banken‟, soll, als seiner Zeit der neue Chef der Admiralität General von Caprivi zum ersten Male an Bord eines Kriegsschiffes war, ihm gemeldet worden sein, und er soll diese Meldung mit einem liebenswürdigen Lächeln des Unverständnisses entgegengenommen haben. „Backen und Banken‟ ist das Kommando, daß man am Kürzesten mit „Tischdecken und Auftragen‟ übersetzen könnte, wenn der Tisch für die Mannschaften an Bord überhaupt gedeckt würde. Es bedeutet, daß die (Tische und) Bänke, die bis dahin der Raumersparnis wegen zusammengeklappt an der Decke befestigt waren, heruntergenommen, aufgeklappt und aufgestellt werden sollen und daß die „Backschaft‟ mit der „Back‟ zur Kambüse gehn und das Essen holen soll. In früheren Zeiten gab es keine Tische, da mußten sich die Leute so gut sie konnten zum Essen um ihre „Back‟ gruppieren. Als die Tische aufkamen, war der Seemann so an seine Back gewöhnt, daß er diesen Namen ohne Weiteres auf den Tisch übertragen hat. So nennt man ja auch, durch einen ähnlichen Vorgang bewogen, die viereckigen Stücke Glas in unsern Fenstern Scheiben, wiewohl eine Scheibe doch eigentlich etwas Rundes bedeutet. Back heißt nun sowohl das runde Gefäß als auch der viereckige Tisch auf dem es steht. Halbertsma in seinem Lexicon Friesicum übersetzt das eine Mal ganz richtig bak mit „alveus, linter in qua coquus cibum nautis offert‟, und das andere Mal übersetzt er das Kommando: „Kom oan'e bak‟ mit: „accedite ad mensam!‟ Auch sonst wohl wird im Holländischen in Anlehnung an die Seemannssprache bak für Tisch gebraucht. „Van de bak noa't gemak is's menschen gerak.‟ (Bedarf, Bedürfnis, Notdurft sagt man im Groningen'schen.) Doch wußte man wenigstens vor zweihundert Jahren daselbst noch genau, was eigentlich eine Back ist, denn da ist es französisch mit plat wiedergegeben und Backsgesellen sind, „ceux qui mangent à même plat‟, und zwar natürlich plat de bois. Zu dem Kommando „Banken‟ ist übrigens die Verwandtschaft des Wortes in den romanischen Sprachen zu vergleichen. Bank heißt italienisch, spanisch und portugiesisch banco, bedeutet aber heute nicht mehr bloß Bank, sondern auch Tisch, Wechslertisch; daher Bank im Sinne von Geldinstitut, Bankier und Bankrott, letzteres von der dem Zahlungsunfähigen öffentlich entzwei gebrochenen Bank. Der Ursprung, ebenso wie vom französischen banc, ist deutsch. Abgeleitet ist italienisch banchetto, Bänkchen und Gasterei, banchett are Gasterei halten, bankettieren, ursprünglich „Bänke zum Gelage zurüsten‟; mittelhochdeutsch benken: „Hie ward gebenket schone, tuoch unde brot uf geleit.‟

Zu 3. Wenn der Wind von vorn in ein Segel weht, was übrigens nicht immer auf Unachtsamkeit, sondern dann stets mit Absicht herbeigeführt wird, wenn das segelnde Schiff seine Fahrt mindern und still liegen will, ohne daß es Segel birgt und ankert, so sind sie vom Winde nach rückwärts gerundet, und der Rücken heißt, wie gesagt, niederdeutsch bak.

Zu 4. Backbord ist ein sehr wichtiges und viel gebrauchtes Wort, namentlich darum weil das ganze Schiff nach seiner Längsrichtung in zwei große Hälften eingeteilt wird, die mit Steuerbord und Backbord bezeichnet werden, und weil alles an und auf dem Schiffe was sich doppelt, auf der einen und auf der anderen Seite, findet nach Steuerbord oder nach Backbord unterschieden wird: Steuerbord-Bordwand, Backbord-Bordwand; Steuerbord-Anker, Backbord-Anker; Steuerbord-Kutter, Backbord-Kutter; Steuerbord-Nock, Backbord-Nock; ja sogar Steuerbord-Wache und Backbord-Wache mit entsprechenden Abzeichen auf der rechten oder linken Schulter. Und dann das wichtige Kommando für den Mann am Ruder: „Backbord!‟ Wir müssen daher fragen, was das Wort bedeutet und wie es aufgekommen ist.

Ein holländischer Sprachforscher hat behauptet: „De stuurman heeft de roerpen aan de regterzyde en, derwaarts gekeert, heeft hy dus hes linkerboord achter den rug, vandaar stuur = en bakboord.‟ Darauf antwortet aber ein anderer treffend: „Neen, de sturman heft de roerpen, nu aan de regter- dan aan de linkerzyde, al naar dat de wind van dezen of genen kant invalt, en bakboord blyft niet te min onverandert bakboord en gevolgelyk ook stuurboord, stuurboord.‟ So weit ist das richtig. Aber im Weiteren irrt auch er. „Volgens eene vry algemeene overlevering is de vorsprong van de spreekwyse stuurboord en bakbord de volgende. De stuurlieden hadden vorheen hun verblyf in hutten, aan de regterzyde van het schip; de matroozen daarentegen in bakken (om by bepalde getale te schaften) afgedeeld aan de linkerzyde, en van daar stuur- en bakboord.‟ Ein dritter aber stellte sich die Sache so vor: „Een stuurman met de regterhand aan het roer, en ter linkerzyde den schaftbak, om onder de hand te kunnen eten.‟ Man braucht sich das Bild nur auszumalen um die Erklärung immer abenteuerlicher zu finden. Auch die Unterscheidung zwischen Steuerleuten und Matrosen ist willkürlich und die Behauptung, jene hätten in Hütten an Steuerbord, diese hätten ohne Hütten in Backschaften abgeteilt an Backbord logiert, ist völlig unhaltbar; als ob die Steuerleute nicht auch in Backschaften abgeteilt gewesen wären! Nein — , sondern wer einmal ein altes Vikingerfahrzeug sich angesehen und mit einiger Aufmerksamkeit auf dem Boden des Museums Vaterländischer Altertümer in Kiel geweilt hat, dem kann die Entstehung des Ausdruckes nicht mehr zweifelhaft sein. Der Steuermann saß in alten Tagen hinten im Boot rechts und steuerte mit einem pagaienartigen Riemen, den er in beiden Händen hielt, also daß beide Arme über das Dollbord hinausragten. Dabei mußte sich der Leib, — nicht der Kopf, denn der war mit dem Gesicht auf den Bug gerichtet, — ganz dem Bord, über den gesteuert ward, zudrehen und demgemäß war der Back, der Rücken des Steuernden, dem entgegengesetzten Bord zugewandt. Bei dieser Erklärung kommt auch die zweite Silbe in Backbord zu ihrem Rechte; der Steurer war ja fest an die Bordwand angelehnt.

Zuerst kommt das Wort in der Form bacbort, backbort im Seebuch (1400) vor. „Unde sal so insegelen, dat he twedeel van dem watere schal hebben an backbort van eme‟. — Der 1475 in Cleve erschienene „Teuthonista‟ hat nur bak im Sinne von Gefäß, capisterium, „eyn muede oder eyn trog, do die pherde *uss essent.‟ — Cornelius Kilianus Duffläus im Dictionarium teutonico-latinum von 1548 hat backbord zwar, gibt aber eine kindliche Erklärung: „navigii sinistra pars, pars navigii quae furnum et focum continet‟, also am Backbord sei der Backofen und der Herd gewesen. — Nicht unbemerkt soll bleiben, daß eine alte pommersche Übersetzung des 23. Psalms den fünften Vers (Luther: „Du schenkest mir voll ein‟) wiedergibt mit: „Du givst mi een ganz bak vul.‟

Backen und Füllen, ist ein seemännisches Manöver, das zwar in unserer Zeit des Dampfes und der Schleppdampfer nicht oft mehr gemacht wird, das aber doch dem Kapitän oder Lootsen, der es versteht, großen Nutzen bringt, indem er sich durch Backen und Füllen seiner Segel durch einen Revier oder ein sonstiges enges und gekrümmtes Fahrwasser hindurchbringen kann, vorausgesetzt, daß er die Gezeiten, die Wassertiefe, die Stromkabbelungen u. s. w. genau kennt. Es besteht darin, daß man die Segel abwechselnd „back‟ (s. d.) kommen läßt und dann wieder so braßt, daß sie voll Wind werden.

Backstag, das, ist beim Klüverbaum das, was bei den Untermasten die Wanttaue sind, dient also dazu, dem Klüverbaum nach den Seiten zu Festigkeit zu geben. Es fährt vom Kopfe des Klüverbaums nach beiden Seiten durch die Nocken der blinden Rahe nach dem Vorschiff, wo es befestigt wird. Da Klüverbaum und Rahe einen rechten Winkel bilden, so sind sie die beiden Katheten des rechtwinkligen Dreiecks und das Backstag ist die entsprechende Hypotenuse, die in einer Richtung verläuft, die auch da, wo sie mit dem Backstag garnichts zu tun hat, doch „backstags‟ genannt wird, z. B. sagt man: „es weht eine Backstagsbrise‟ d. h., der Wind kommt in derselben Richtung auf die Segel zu, wie das Backstag von der Nock der blinden Rahe auf den Kopf des Klüverbaumes; also in der vorteilhaftesten, die es zum Segeln geben kann.

Badegast, der. So werden diejenigen Mitglieder der Offiziersmesse genannt, welche weder Seeleute noch Kombattanten sind: Ärzte, Auditeure, Pfarrer, Zahlmeister etc. Wie kam man dazu, ihnen diesen Namen beizulegen? Es ist vermutet worden, weil sie ein bequemes, bademäßiges Leben führen. Es mag ja sein, daß wohl ein Offizier, der nachts auf die stürmische Wache muß, denkt und sagt: ja, diese Herren, die haben es gut, die brauchen nicht vier Stunden auf der Kommandobrücke zu stehn, die führen das reine Badeleben. Aber der Ursprung des Wortes ist doch ein ganz anderer. Das Wort hieß früher nicht Badegast, sondern Badequast, und dieses diente als Bezeichnung von Leuten, die nicht gern kämpfen wollten, und von diesen ist es übertragen auf solche, die überhaupt zu kämpfen nicht bestimmt und berufen sind.